18 April 2026, 06:20

Berlin erzwingt Ausbildungsplätze – doch Unternehmen wehren sich gegen die neue Abgabe

Offenes Buch mit dem Titel "Mechanische Anstalt, zum Vorteil von Meistern, Gesellen und Lehrlingen" - wahrscheinlich ein Vorschlag zur Gründung einer mechanischen Anstalt.

Berlin erzwingt Ausbildungsplätze – doch Unternehmen wehren sich gegen die neue Abgabe

Berlin führt eine umstrittene neue Regelung ein, um Unternehmen zu mehr Ausbildungsplätzen zu verpflichten. Das Abgeordnetenhaus der Stadt beschloss einen Ausbildungsbeitrag, der Firmen zur Kasse bittet, wenn sie ihre Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Kritiker werfen der Maßnahme vor, sie bestrafe Unternehmen, ohne die tieferliegenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt anzugehen.

Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten sicherstellen, dass ihre Ausbildungsquote dem bundesweiten Durchschnitt von 4,6 Prozent entspricht. Wer dies nicht schafft, zahlt eine Abgabe in einen Fonds ein, der voraussichtlich jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen soll. Ziel des Beitrags ist es, die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen – doch viele Unternehmer sehen darin eine ungerechte Belastung.

Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, nannte die Abgabe ein "falsches Signal" der Stadt. Sein Unternehmen setze auf Automatisierung und visuelles Lernen statt auf klassische Lehrlingsausbildung. Agnieszka Walorska von Mika pflichtete ihm bei und verwies darauf, dass das eigentliche Problem im sinkenden Interesse junger Menschen an dualen Ausbildungsgängen liege.

Auch andere Unternehmer teilen die Kritik. Marius Meiners von Peec AI erklärte, sein Team bestehe entweder aus erfahrenen Fachkräften oder hochmotivierten Nachwuchskräften – Ausbildungsplätze seien daher kaum praktikabel. Lieber zahle man die Strafe, als die Personalstrategie zu ändern. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, ging noch weiter und warf Berlin vor, Unternehmen für Praktiken zu bestrafen, die es nicht verstehe.

Für Peec AI ist der Ausbildungsbeitrag nur ein weiteres Hindernis in einem ohnehin schwierigen Wirtschaftsumfeld. Meiners warnte, solche Politiken machten Deutschland als Standort weniger attraktiv.

Ab 2028 tritt die Regelung in Kraft: Unternehmen müssen entweder mehr ausbilden oder in den Fonds einzahlen. Während die Stadt mit Millioneninnahmen rechnet, argumentieren Wirtschaftsvertreter, die Maßnahme gehe an den Ursachen für die geringe Ausbildungsbereitschaft vorbei. Die Debatte zeigt die wachsende Kluft zwischen Berlins wirtschaftspolitischen Zielen und den Realitäten der Unternehmen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle