Wie 32 Förderschulkinder mit Musiktheater ihr Selbstbewusstsein entdeckten
Enrico HerrmannWie 32 Förderschulkinder mit Musiktheater ihr Selbstbewusstsein entdeckten
Ein einzigartiges Musiktheaterprojekt bringt 32 Kinder aus ländlichen Förderschulen zusammen
Unter dem Titel „Könige und Königinnen – Ein musikalischer Coup“ haben die Musikakademie Rheinsberg und das langjährige Ensemble Quillo ein außergewöhnliches Projekt ins Leben gerufen. Nach einer intensiven Probenwoche im Schloss Rheinsberg standen die jungen Darsteller:innen schließlich auf der Bühne – in einer Produktion, die Komödie, Drama und experimentelle Klänge vereint.
Das Vorhaben zielt darauf ab, sozial benachteiligten Kindern kreative Möglichkeiten zu eröffnen, die auf dem Land oft fehlen. Lehrkräfte, die das Projekt begleiteten, entdeckten dabei unerwartete Seiten an ihren Schüler:innen – von Verletzlichkeit bis hin zu neu gewonnenem Selbstbewusstsein.
Die Idee entstand beim Ensemble Quillo, das seit über zwei Jahrzehnten zeitgenössische Musik in ländlichen Gemeinden aufführt. Ihre jüngste Zusammenarbeit mit der Musikakademie Rheinsberg mündete in „Musiktheater 360°“, ein inklusives Programm speziell für Kinder mit besonderem Förderbedarf.
Proben zwischen Hingabe und Kreativität Die Vorbereitungen waren geprägt von Engagement und Einfallsreichtum. Fieby und Helene von der Clara-Zetkin-Schule erschienen pünktlich zum Proben – trotz einer anstehenden Deutschprüfung am selben Tag. Konzentriert arbeiteten sie an ihren Texten, entschlossen, ihre Rolle perfekt zu meistern. Ein besonders eindrucksvoller Moment zeigte eine Gruppe von 11- bis 16-jährigen Mädchen, die selbstbemalte Stäbe mit Kieselsteinen schwenkten. Wurden diese geschüttelt, entstand ein Geräusch wie fallender Regen – eine atmosphärische Bereicherung für die Aufführung.
Zwischen Komik und düsterer Surrealität Die Vorstellung selbst wechselte zwischen heiteren und düsteren Elementen. In einer komischen Szene rief die Nachrichtensprecherin Ente Kross das Publikum dazu auf, eine Hotline mit den Endziffern 6 und 7 anzurufen. Dazu im Kontrast stand eine beklemmende, traumhafte Sequenz, in der ein entenartiges Wesen ein Mädchen verfolgte und schließlich „verschlang“. Diese Mischung aus Humor und surrealer Dunkelheit fesselte die Zuschauer:innen.
Für die Lehrkräfte, die ihre Schüler:innen auf der Bühne erlebten, war die Aufführung eine Offenbarung. Eine Pädagogin berichtete, wie ein sonst zurückhaltendes Mädchen plötzlich zärtliche und verletzliche Züge zeigte. Die Erfahrung half den Lehrer:innen, die verborgenen Stärken ihrer Schützlinge besser zu verstehen.
Ein Projekt mit Nachhall Die Abschlussvorstellung krönte eine Woche voller Kreativität, Teamarbeit und persönlichem Wachstum. Viele der Kinder hatten zuvor noch nie Theater gespielt – doch sie gewannen Selbstvertrauen und neue Fähigkeiten. Für die Veranstalter:innen bestätigte das Projekt einmal mehr, wie wichtig es ist, künstlerische Angebote in strukturschwache ländliche Regionen zu tragen.
„Könige und Königinnen – Ein musikalischer Coup“ bleibt damit ein Beweis dafür, was entsteht, wenn Musik, Theater und Bildung denen zugutekommen, die es am nötigsten haben.






