Theaterprojekt in JVA Wiesbaden zeigt DNA – Resozialisierung durch Schauspielkunst
Paula GumprichTheaterprojekt in JVA Wiesbaden zeigt DNA – Resozialisierung durch Schauspielkunst
Eine eindrucksvolle Theateraufführung fand letzte Woche in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden statt. Rund 80 Zuschauer versammelten sich, um DNA zu sehen – ein Stück, das sich mit Gruppendynamik und Gewalt unter Jugendlichen auseinandersetzt. Die Produktion war ein weiterer Erfolg des langjährigen Theaterprojekts der Anstalt, das Schauspielkunst als Teil seines Resozialisierungsprogramms nutzt.
Regisseur Matze Vogel wählte für die diesjährige Aufführung DNA des britischen Dramatikers Dennis Kelly aus. Das Stück begleitet eine Gruppe Jugendlicher, deren Versuche, eine schreckliche Tat zu vertuschen, in Chaos enden. Die Themen trafen bei den Darstellern – allesamt junge Inhaftierte – auf große Resonanz.
Die Vorstellung fand auf der fest installierten Studiobühne der Justizvollzugsanstalt statt – die einzige ihrer Art in Deutschland. Am Ende belohnten die Zuschauer die Akteure mit donnerndem Applaus, "Bravo!"-Rufen und stampfenden Füßen. Die Schauspieler und Techniker bedankten sich mehrfach für den begeisterten Beifall.
Für die beteiligten Häftlinge hatte das Projekt eine tiefe persönliche Bedeutung. J., einer der Darsteller, sagte später: "Theater lässt mich Freiheit spüren." Hinter den Kulissen verantwortete B. die technische Umsetzung – stolz auf die Aufgabe, aber lieber im Hintergrund. Die Kostümbildnerin Nathalie Meyer, die seit einem Jahrzehnt mit dem Projekt zusammenarbeitet, trug mit ihrer Erfahrung zur professionellen Inszenierung bei.
Michaela Wasemüller, Leiterin der JVA Wiesbaden, betonte, dass Theater nicht nur künstlerischer Ausdruck, sondern ein strukturiertes Werkzeug der Resozialisierung sei. Jährlich wird eine Produktion einstudiert und aufgeführt, wobei die Karten innerhalb weniger Tage vergriffen sind. Seit 2008 bietet die Initiative Inhaftierten die Möglichkeit, Disziplin, Teamfähigkeit und kreativen Ausdruck zu entwickeln.
Die Aufführung von DNA endete mit begeistertem Publikum und unterstrich die Wirkung des Theaterprogramms. Die teilnehmenden Häftlinge erwerben Fähigkeiten in Zusammenarbeit und Kommunikation, während Zuschauer – sowohl aus der Anstalt als auch von außen – das transformative Potenzial der Künste erleben. Bereits für das nächste Jahr ist eine neue Produktion in Planung.






