Streit um Apothekenreform: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht über Kompetenzen
H.-Dieter ReuterStreit um Apothekenreform: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht über Kompetenzen
Ein Streit zwischen Ärzten und Apothekern ist über das geplante Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) in Deutschland entbrannt. Die Führung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) lehnt den Gesetzentwurf vehement ab und wirft der Vorlage vor, Apotheken einseitig zu begünstigen. Die Apotheker hingegen verteidigen ihre Rolle in der Patientenversorgung und bei Impfprogrammen.
KBV-Chef Dr. Andreas Gassen kritisierte die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums, die Festbeträge für Apotheken zu erhöhen, während Arztpraxen leer ausgehen. Er ging noch weiter und bezeichnete Apotheker als "medizinische Laien", deren Kompetenz zur sicheren Durchführung von Impfungen er infrage stellte.
Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme entgegnete, Apotheker verfügten über eine umfassende Ausbildung in Pharmakologie und klinischer Praxis. Sie verwies auf die erfolgreiche Impfpraxis während der Pandemie, bei der Grippeschutz- und COVID-19-Impfungen ohne Zwischenfälle verabreicht wurden. Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes wies sie zurück: Apotheker seien sich der Resistenzgefahren bewusst und gingen verantwortungsvoll mit solchen Medikamenten um.
Reher-Gremme betonte, dass Apotheker eine zentrale Rolle bei der Vermeidung von Arzneimittelnebenwirkungen und der Verbesserung der Medikamentensicherheit spielten – insbesondere in Krankenhäusern. Viele Ärzte, so ihre Beobachtung, schätzten bereits die Vorteile einer engen Zusammenarbeit mit Apothekern. Für ein widerstandsfähiges Gesundheitssystem plädierte sie für einen offenen Dialog und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Im Kern geht es um die Verteilung von Finanzmitteln und die Ausweitung der apothekerlichen Aufgabenbereiche. Während die Ärzteschaft den aktuellen Entwurf des ApoVWG ablehnt, pochen die Apotheker auf ihre Fachkompetenz und die Notwendigkeit einer engeren Vernetzung. Die Debatte wird voraussichtlich anhalten, während das Gesetzgebungsverfahren voranschreitet.






