Luftfahrtbranche kämpft mit Kerosinpreisen, Steuern und schwacher Nachfrage
Enrico HerrmannLuftfahrtbranche kämpft mit Kerosinpreisen, Steuern und schwacher Nachfrage
Die Luftfahrtbranche ächzt unter wachsendem finanziellen Druck. Steigende Kerosinpreise, hohe Ticketsteuern und eine schwache Konjunktur erschweren den Airlines das Geschäft. Die Folgen sind bereits spürbar: Es gibt Entlassungen, und traditionsreiche Fluggesellschaften müssen aufgeben.
Im Mai 2024 erhöhte Deutschland die Luftverkehrsteuer (LuftVSt) um 19,4 Prozent – eine zusätzliche Belastung für die Branche. Der Steuersprung folgte auf einen deutlichen Anstieg der Kerosinkosten, die sich seit Dezember 2022 mehr als verdoppelt haben. Treibstoff macht mittlerweile 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten der Airlines aus, was die Unternehmen zwingt, die höheren Ausgaben zu schultern.
Alleiner die Lufthansa rechnet aufgrund der Preisspirale mit zusätzlichen Treibstoffkosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Doch auch kleinere Anbieter sind betroffen: Die US-Fluggesellschaft Spirit Airlines, die über 172 Airbus-Maschinen verfügte, stellte am 2. Mai 2023 nach 62 Jahren den Betrieb ein. Branchenexperten warnen, dass aktuell rund 10.000 Arbeitsplätze in der Luftfahrt gefährdet sind.
Die Passagierzahlen in Deutschland haben sich noch nicht vollständig erholt. 2025 fertigten die Flughäfen 219,8 Millionen Reisende ab – immer noch 12,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Um die Lage zu entspannen, hat die Regierung einen Rückgang der Luftverkehrsteuer um 16,1 Prozent vorgeschlagen. Die oppositionelle AfD fordert hingegen die vollständige Abschaffung der Abgabe bis zum 1. Dezember 2024.
Nächsten Monat wird Friedrich Merz auf der Berliner Luftfahrtschau (ILA) die Nationale Luftfahrtstrategie Deutschlands vorstellen. Doch Fachleute zweifeln daran, dass der Plan ausreicht, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.
Die Branche steht vor einer schwierigen Zukunft, und schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Die Airlines müssen mit hohen Spritpreisen, rückläufigen Passagierzahlen und anhaltendem Steuerdruck zurechtkommen. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen könnten weitere Stellenstreichungen und Streckenstilllegungen folgen.






