Europas Industrie warnt vor Kollaps durch steigende CO₂-Kosten im Emissionshandel
Enrico HerrmannEuropas Industrie warnt vor Kollaps durch steigende CO₂-Kosten im Emissionshandel
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Brief an die EU-Spitze dringendes Handeln im Rahmen des Emissionshandelsystems (EU-ETS) gefordert. Unter den Unterzeichnern des Schreibens finden sich Konzerne wie ArcelorMittal, BP und BASF, die warnen, dass steigende Kosten die industrielle Basis Europas untergraben. Die Unternehmen argumentieren, dass die aktuellen Rahmenbedingungen die industrielle Transformation behindern – unter anderem wegen unzureichender Infrastruktur für Strom, Wasserstoff sowie den Transport und die Speicherung von CO₂.
Nach den EU-Vorgaben müssen Industrieanlagen Verschmutzungszertifikate erwerben, um Treibhausgase ausstoßen zu dürfen. Zwar wurden früher teilweise kostenlose Zuteilungen gewährt, doch das Klimapaket „Fit for 55“ hat die meisten dieser Freizuteilungen schrittweise abgeschafft, um die Erderwärmung zu begrenzen. Unternehmen müssen nun den Großteil der Zertifikate kaufen – und die Kosten steigen, wenn die Emissionen langsamer sinken als das Angebot an verfügbaren Zertifikaten schrumpft.
In dem Schreiben heißt es, das Emissionshandelsystem spiegle die globale Realität nicht mehr wider. Europa handle allein, indem es seine Industrien mit rasant steigenden CO₂-Kosten belaste, so die Kritik der Unternehmen. Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein – eine Abgabe auf kohlenstoffintensive Importe, mit Ausnahmen für Länder, die über eigene Emissionshandelssysteme verfügen.
Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen größtenteils in Klimaschutzmaßnahmen, etwa den Ausbau von Wasserstoffnetzen. Doch die Unterzeichner fordern nun Sofortmaßnahmen, um den weiteren Kostenanstieg zu stoppen und zusätzliche Schäden für den europäischen Industriestandort zu verhindern. Die Unternehmen verlangen dringende Reformen des Systems. Ohne bessere Infrastruktur und angepasste politische Rahmenbedingungen drohten der europäischen Industrie unhaltbare Belastungen, warnen sie. Der Brief unterstreicht die Notwendigkeit eines ausgewogenen Ansatzes, der Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit vereint.






