EnBW setzt alles auf Windkraft – doch die Risiken der Energiewende wachsen
EnBW setzt alles auf Windkraft – doch die Risiken der Energiewende wachsen
EnBW treibt massiven Ausbau der Offshore-Windenergie voran – trotz wachsender finanzieller und technischer Hürden
Der deutsche Energiekonzern plant bis 2030 Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro und will so 80 Prozent seiner Stromerzeugung auf Erneuerbare umstellen. Doch jüngste Rückschläge, darunter ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro durch gestrichene Projekte in Großbritannien, zeigen die Risiken dieser ehrgeizigen Strategie.
Gleichzeitig bleibt die politische Unterstützung für die Energiewende ungebrochen. Die Grünen, nun in Regierungsverantwortung, haben EnBW zu einem zentralen Akteur der deutschen Energiewende gemacht – obwohl die Steuerzahler steigende Kosten tragen und Bedenken zur Netzsicherheit weiterhin bestehen.
Die Probleme des Unternehmens traten besonders deutlich zutage, als es sich aus zwei großen Offshore-Windparks in der Irischen See zurückzog. Die Projekte "Mona" und "Morgan" wurden aufgegeben, was EnBW zu einer Wertberichtigung von 1,2 Milliarden Euro zwang. Dennoch nimmt das Unternehmen weiterhin hohe Kredite auf und plant, jährlich mindestens eine grüne Anleihe zu emittieren. Die Schulden belaufen sich mittlerweile auf fast drei Milliarden Euro pro Jahr – finanziert wird damit der rasche Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und der Atomkraft.
Diese Transformation begann vor über einem Jahrzehnt. 2011 gewannen die Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg auch wegen eines Skandals um EnBW: Der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus hatte ohne parlamentarische Zustimmung 4,7 Milliarden Euro für den Rückkauf von Anteilen vom französischen Konzern EDF ausgegeben. Die Folgen dieses Deals halfen den Grünen an die Macht, von wo aus sie EnBW – mit Rückendeckung der Bundesregierung unter Angela Merkel – in Richtung Erneuerbare drängten.
Seither wurden vier Kernkraftwerke in Baden-Württemberg abgeschaltet, wodurch 4,5 Gigawatt gesicherte Grundlastkapazität wegfielen. EnBW konzentriert sich nun auf Windenergie und investiert jährlich 200 bis 300 Millionen Euro in Onshore-Projekte in ganz Deutschland. Zu den wichtigsten Standorten zählen Erweiterungen in Baden-Württemberg, etwa die Windparks Hohe Möhr und Allmendshof, sowie Repowering-Maßnahmen in Schleswig-Holstein und neue Vorhaben in Niedersachsen. Zudem hat sich das Unternehmen verpflichtet, bis 2035 klimaneutral zu werden – ein Ziel, das Kritiker als realitätsfern bewerten.
Doch auch der generelle Ausbau der Windkraft in der Nordsee steht vor Herausforderungen. Auf einem jüngsten Gipfel versprachen die Verantwortlichen, bis 2050 bis zu 300 Gigawatt Leistung zu installieren. Doch Probleme wie "Winddiebstahl" – wenn Turbinen neighboring Anlagen den Wind entziehen – und Netzinstabilitäten gefährden die Pläne. Bisher zeigen weder EnBW noch die Politik Anzeichen für einen Kurswechsel, sodass Subventionen und höhere Strompreise für die Verbraucher absehbar sind.
EnBWs Strategie bindet das Unternehmen für Jahrzehnte an hohe Ausgaben für Windenergie – die Kosten tragen weitgehend Steuerzahler und Kunden. Die Abschaltung der Kernkraftwerke und die Abhängigkeit von volatilen Erneuerbaren werden die Netzstabilität in den kommenden Jahren auf die Probe stellen. Doch der politische und unternehmerische Schwung hinter der Energiewende zeigt bisher keine Ermüdungserscheinungen – trotz aller finanziellen und technischen Hindernisse.
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