09 June 2026, 08:16

Bulgakow-Denkmal in Kiew entfernt – Kulturerbe oder Symbol des Imperialismus?

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew entfernt – Kulturerbe oder Symbol des Imperialismus?

Am 4. Juni 2023 wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss dazu kam vom Stadtrat im Rahmen umfassender Bemühungen, Symbole mit Bezug zum russischen Imperialismus zu beseitigen. Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk kritisierte den Schritt später als unnötig und verfehlt.

Die Bronzestatue stand einst vor dem Bulgakow-Museum am Andrejewski-Ufer. Die Behörden ließen sie im Einklang mit den Richtlinien des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung entfernen, das sich auf Objekte konzentriert, die mit Persönlichkeiten in Verbindung stehen, die als Repräsentanten des russischen Imperialismus gelten. Einige Befürworter der Entscheidung argumentieren, sie stehe im Einklang mit den Entkolonialisierungsbestrebungen der Ukraine, während andere darauf bestehen, dass Bulgakow ein unverzichtbarer Teil der kulturellen Geschichte Kiews bleibt.

Popadjuk, die Der Meister und Margarita mit vierzehn Jahren erstmals las, bezeichnete Bulgakows Werke als scharfe Abrechnung mit der Zerstörung der Sowjetära. Sie betonte seine Kiewer Wurzeln und erinnerte daran, dass er in der Stadt geboren wurde und dort als Arzt arbeitete, bevor er Berühmtheit erlangte. In ihrer Kritik zitierte sie die Worte des Schriftstellers selbst: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“

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Die Schachspielerin wies die Entfernung als sinnlos zurück und argumentierte, dass Bulgakows literarisches Erbe über politische Auseinandersetzungen hinausgehe. Sie unterstrich, dass seine Romane die Brutalität der sowjetischen Herrschaft entlarvt hätten, was seine Verbindung zur Ukraine bedeutungsvoller mache als die aktuellen Debatten über sein Denkmal.

Die Demontage ist Teil einer größeren Kampagne Kiews, Symbole mit russischem Einfluss zu tilgen. Popadjuks Äußerungen verdeutlichen die Spaltung zwischen denen, die den Schritt als kulturelle Säuberung betrachten, und denen, für die Bulgakow ein untrennbarer Teil der Stadtgeschichte ist. Die Zukunft ähnlicher Denkmäler in der Ukraine bleibt ungewiss.

Quelle