22 December 2025, 22:38

Beschuldigung: SWR kürzte auch Trumps Capitol-Rede empfindlich

Eine Person, die in ein Mikrofon spricht und im Hintergrund ein Banner mit dem Wort 'Bundesstaat' trägt.

Beschuldigung: SWR kürzte auch Trumps Capitol-Rede empfindlich

Vorwurf: SWR kürzte Trumps Capitol-Rede in heikler Weise

Nach dem BBC-Skandal geraten nun deutsche öffentlich-rechtliche Sender in die Kritik. Auch der SWR schnitt die Rede von Donald Trump vom 6. Januar 2021 umstritten zusammen. Wie der Sender auf die Vorwürfe reagiert.

Ein deutscher öffentlich-rechtlicher Rundfunksender steht in der Kritik, weil er einen zentralen Teil der Rede von Donald Trump vom 6. Januar 2021 gekürzt hat. Der SWR ließ in einer im ARD ausgestrahlten Dokumentation mit dem Titel „Sturm auf das Kapitol“ einen bedeutenden Abschnitt aus den Äußerungen des damaligen US-Präsidenten weg. In dem weggelassenen Teil hatte Trump seine Anhänger aufgefordert, „friedlich und patriotisch“ zum Kapitol zu ziehen.

Die Dokumentation verband zwei Ausschnitte aus Trumps „Save America“-Rede und schnitt dabei fast 50 Minuten der Originalaufnahme heraus. Während der Veranstaltung hatte Trump erklärt, er werde die Wahl 2020 „niemals akzeptieren“, wiederholt von massivem Wahlbetrug gesprochen und die Menge aufgefordert, „zum Kapitol hinabzugehen“ und „wie die Hölle zu kämpfen“. Gleichzeitig betonte er jedoch, sie sollten „friedlich und patriotisch“ demonstrieren, während der Kongress die Wahlmännerstimmen bestätigen wollte.

Der SWR verteidigte die Kürzung mit der Begründung, die fehlende Passage sei „in diesem Zusammenhang irrelevant“ gewesen. Der Sender beharrte darauf, die ausgewählten Zitate seien so gewählt worden, um „die Stimmung der Menge“ widerzuspiegeln, und die Berichterstattung habe „etablierten journalistischen Standards“ entsprochen. Eine bewusste Verfälschung oder Verzerrung von Trumps Rede wurde bestritten. Dennoch hat die Entscheidung, den Aufruf zu friedlichem Protest wegzulassen, eine Debatte ausgelöst. Kritiker fragen, ob die Auslassung den wahrgenommenen Ton der Ansprache verändert habe – insbesondere vor dem Hintergrund der späteren gewaltsamen Ausschreitungen am Kapitol.

Die Kontroverse wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen selektiver Schnitte in der politischen Berichterstattung. Der SWR bleibt bei seiner Vorgehensweise und betont, die Dokumentation spiegle die Atmosphäre des Tages zutreffend wider. Die Erklärungen des Senders haben jedoch nicht alle Bedenken ausräumen können, wie die Rede den Zuschauerinnen und Zuschauern präsentiert wurde.