Berliner Fasanenstraße: Wo Kulturglanz und dunkle Erinnerungen aufeinandertreffen
Enrico HerrmannBerliner Fasanenstraße: Wo Kulturglanz und dunkle Erinnerungen aufeinandertreffen
Die Fasanenstraße in Berlin vereint reiche Kulturgeschichte mit schmerzhaften Erinnerungen. Auf diesem zwei Kilometer langen Abschnitt durch Charlottenburg und Wilmersdorf reiht sich Theater an Kino, dazu literarische Stätten von Bedeutung. Doch die Straße markiert auch den Standort einer der bedeutendsten Synagogen der Stadt – sie wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört.
Hier finden sich einige der bekanntesten Kultureinrichtungen Berlins. Das Theater des Westens, das älteste Musicaltheater der Stadt, liegt an der Ecke Kantstraße/Fasanenstraße. Unweit davon befindet sich zwischen Kantstraße und Hardenbergstraße der Delphi Filmpalast, ein Programmkino mit anspruchsvollem Filmangebot. Nur wenige Schritte entfernt beherbergt das Literaturhaus Berlin eine denkmalgeschützte Villa mit Café, Buchhandlung und regelmäßigen literarischen Veranstaltungen. Ein moderner Akzent inmitten des historischen Umfelds ist das Kant-Dreieck, ein elfstöckiges Bürogebäude mit einer auffälligen, beweglichen Windskulptur.
Bevor sie zerstört wurde, zählte die Fasanenstraße-Synagoge zu den wichtigsten jüdischen Gebetsstätten Berlins. Während der Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie in Brand gesteckt – zusammen mit mindestens 13 weiteren großen Synagogen der Stadt. Insgesamt fielen damals rund 80 jüdische Bethäuser in Berlin den Gewaltakten zum Opfer. Heute erinnert das Jüdische Gemeindehaus in der Fasanenstraße 79–80 an das verlorene Erbe dieser Gegend.
Auch andere Synagogen wie die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße oder die Levetzowstraße-Synagoge wurden in derselben Zeit durch Brandstiftung verwüstet. Die Angriffe markierten einen brutalen Wendepunkt in der Verfolgung jüdischer Gemeinden im gesamten Deutschen Reich.
Die Fasanenstraße von heute verbindet kulturelle Lebendigkeit mit historischer Last. Ihre Theater, Kinos und literarischen Orte ziehen täglich Besucher an. Doch die Abwesenheit der einst prächtigen Synagoge bleibt ein sichtbares Zeichen der Gewalt, die Berlin 1938 für immer veränderte. Der Mix aus Vergangenheit und Gegenwart spiegelt bis heute die vielschichtige Geschichte der Stadt wider.






