Bergkirchweih-Streit: Warum verbotene Partyschlager die Gemüter erhitzen
Enrico HerrmannBergkirchweih-Streit: Warum verbotene Partyschlager die Gemüter erhitzen
Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest wird in diesem Jahr fast eine Million Besucher anlocken. Doch hinter den Kulissen hat ein Streit über verbotene Lieder eine Debatte unter Künstlern, Wirten und lokalen Politikern entfacht.
Der Stadtrat hat mehrere klassische Partyschlager auf eine schwarze Liste gesetzt und sie als sexistisch oder diskriminierend eingestuft. Manche Musiker vergleichen die Einschränkungen inzwischen mit der Zensur in der DDR.
Der Streit begann im vergangenen Jahr, als eine Frau berichtete, sich auf dem Fest unwohl gefühlt zu haben. Sie behauptete, aggressive Männer hätten sie begrapscht, und die gespielte Musik habe zu einer unwillkommenen Atmosphäre beigetragen. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste sogenannter „problematischer Partysongs“.
Die Stadtverwaltung nahm daraufhin mehrere bekannte Titel in einen Index der zu vermeidenden Lieder auf. Selbst satirische Stücke wie „Skandal im Sperrbezirk“ landeten auf der Liste – mit der Begründung, sie seien diskriminierend. Der Beschluss folgte einer Abstimmung aus dem Jahr 2021, bei der CSU, Linke und SPD Texte mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verurteilten.
Die Künstler reagieren verärgert. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, nannte die Situation „DDR-mäßig“ und verwies darauf, dass selbst die SED nie Textänderungen gefordert habe. Peter Wackel, dessen Hit „Joana“ die Zeile „Du geile Sau“ enthält, sagte, viele Künstler hätten „null Bock“, wegen der wachsenden Einschränkungen noch in Deutschland aufzutreten.
Die Wirte hingegen stehen den neuen Regeln skeptisch gegenüber. Viele fragen sich, ob Liedverbote das Verhalten ändern oder nur die Festbesucher verärgern werden. Der inoffizielle neue Leitspruch des Festes – „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“ – spiegelt die Spannung zwischen Tradition und dem Drängen nach strengeren Maßstäben wider.
Die Schwarze Liste bleibt auch zur anstehenden Bergkirchweih bestehen. Bei fast einer Million erwarteter Gäste wird die Debatte über Zensur und kulturelle Normen wohl weitergehen. Fürs Erste müssen Wirte und Künstler sich mit den Vorschriften arrangieren – oder riskieren weiteren Widerstand.






