ARD und ZDF setzen auf persönliches Storytelling – doch droht die Nachricht unterzugehen?
Enrico HerrmannARD und ZDF setzen auf persönliches Storytelling – doch droht die Nachricht unterzugehen?
ARD und ZDF setzen auf neue Wege, um junge Zuschauer zu erreichen – mit fünf neuen Reportagereihen: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Die Formate richten sich gezielt an 14- bis 29-Jährige und brechen mit klassischem Journalismus, indem sie Reporter:innen in den Mittelpunkt der Geschichte stellen.
Das Ziel: Nachrichten sollen persönlicher und nahbarer wirken. Doch die Frage stellt sich, ob Storytelling den Fokus zu sehr auf die Journalisten statt auf die Fakten lenkt.
Die neuen Formate setzen auf ich-perspektivische Erzählweisen, in denen Reporter:innen eigene Emotionen und Blickwinkel teilen. Dieser Stil orientiert sich an der Kommunikation junger Menschen in sozialen Medien – und soll Vertrauen sowie eine emotionale Bindung aufbauen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.
Doch der Wandel birgt Risiken. Wenn die Journalisten selbst zur Hauptfigur werden, droht die eigentliche Nachricht in den Hintergrund zu rücken. Zudem wiederholen sich in einigen Reihen Themen und Perspektiven – erste Reaktionen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer:innen die Flut an "ich-zentrierten" Formaten langsam überdrüssig werden.
Öffentlich-rechtliche Sender stehen damit vor einer Gratwanderung: Sie müssen die persönliche Ansprache beibehalten, die junge Zielgruppen anspricht, ohne journalistische Standards zu vernachlässigen. Klassische Prinzipien wie Objektivität und Neutralität gelten nicht mehr als alleinige Maßstäbe – die Ära des subjektiven Storytellings ist da.
Allerdings zeigte die Studie keine deutlichen Unterschiede in Produktion oder Zielgruppe im Vergleich zu älteren funk-Formaten wie Y-Kollektiv oder STRG_F.
Der Trend zur personalisierten Berichterstattung markiert einen dauerhaften Wandel im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zwar reagieren junge Zuschauer:innen positiv auf emotionale Erzählweisen – doch die Gefahr bleibt, dass die Stimme der Journalisten die Fakten überlagert. Die Sender müssen ihren Ansatz verfeinern, um Glaubwürdigkeit und Nähe gleichermaßen zu wahren.






