02 January 2026, 12:52

Wolfram Weimers verbotener Gedichtband taucht im Bücherschrank auf

Ein Gedicht steht im Vordergrund, im Hintergrund eine Frau unter einem Baum, mit einem sternenklaren Himmel und einem Mond.

Wolfram Weimers verbotener Gedichtband taucht im Bücherschrank auf

Ein längst verschollener Gedichtband von Deutschlands Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, ist überraschend wiederaufgetaucht. Das Buch mit dem Titel 'Kopfpilz' enthält rohe und provokante Verse, die der Autor einst als unveröffentlichungswürdig erklärte. Seine jüngste Entdeckung in einem öffentlichen Bücherregal hat neues Interesse an Weimers frühen, unzensierten literarischen Werken geweckt. Ursprünglich hatte Weimer 'Kopfpilz' mit der Anweisung verfasst, die Entwürfe nach seinem Tod zu vernichten. Dennoch tauchte eine Ausgabe in einem Bücherregal - einem öffentlichen Büchertauschregal - auf, wo sie von Dax Werner und Moritz Hürtgen entdeckt wurde, den Moderatoren des Podcasts 'Bohniger Wachmacher'. Das Duo trug später Auszüge aus der Sammlung in ihrer Sendung vor. Das Buchcover zeigt drei schreiende Köpfe im Stil von Edvard Munchs 'Der Schrei'. Die Gedichte im Inneren wechseln zwischen drastischer Sprache und Themen wie Sex und Gewalt. Kritiker ziehen Parallelen zwischen Weimers frühem Stil und den provokativen Texten von Rammsteins Sänger Till Lindemann. Vor seiner Wiederentdeckung galt 'Kopfpilz' als nicht mehr im Umlauf. Eine abgeschlossene eBay-Auktion deutet jedoch darauf hin, dass noch einige Exemplare existieren könnten. Der Autor und Journalist Knut Cordsen hatte das Buch zwar bereits in sozialen Medien gezeigt, aber nie daraus zitiert. Weimer selbst hatte Cordsen gegenüber erklärt, die Gedichte seien 'auf keinen Fall zur Veröffentlichung freigegeben'. Es ist nicht das erste Mal, dass persönliche Schriften Weimers gegen seinen Willen auftauchen. Seine frühere Sammlung 'For Me' veröffentlichte er selbst, obwohl er sie ursprünglich unter Verschluss halten wollte. Als öffentliche Person bezieht sich der Minister heute oft auf romantische Ideale wie die 'blaue Blume' in seinen Reden - ein deutlicher Kontrast zu den rohen, ungeschliffenen Versen seiner Jugend. Das Wiederauftauchen von 'Kopfpilz' gewährt einen seltenen Einblick in Weimers frühe, ungebändigte kreative Stimme. Zwar bleibt das Buch schwer zugänglich, doch seine Existenz stellt das sorgfältig gepflegte Image eines Ministers infrage, der diese Werke einst unterdrücken wollte. Die Entdeckung wirft zudem Fragen auf, wie private Schriften im digitalen Zeitalter wieder ans Licht kommen.