25 January 2026, 08:35

Wie die Stuttgarter Schulderklärung 1945 die EKD mit ihrer NS-Vergangenheit konfrontierte

Ein altes Dokument mit einer Zeichnung der St. Erasmus Kirche umgeben von Bäumen und Himmel, unterzeichnet von der deutschen Regierung.

Wie die Stuttgarter Schulderklärung 1945 die EKD mit ihrer NS-Vergangenheit konfrontierte

Am 19. Oktober 1945 veröffentlichte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Stuttgarter Schulderklärung. Diese öffentliche Stellungnahme markierte einen frühen Versuch der Kirche, ihre Rolle während der NS-Zeit aufzuarbeiten. Der Schritt erfolgte, als die EKD die Mitgliedschaft im neu gegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen anstrebte, was eine Auseinandersetzung mit vergangenen Versäumnissen voraussetzte.

Die Erklärung folgte auf Jahre der nationalsozialistischen Kontrolle über die evangelische Kirche. Bereits 1933 hatte die Gleichschaltung die Kirche zwangsweise an die NS-Ideologie angepasst. Anhänger des Regimes besetzten Schlüsselpositionen, und der Arierparagraph – der Menschen jüdischer Herkunft ausschloss – wurde eingeführt. Als Reaktion darauf bildete sich die Bekennende Kirche, die sich dem nationalsozialistischen Einfluss widersetzte.

In der Stuttgarter Schulderklärung räumte die EKD ein, während des Krieges „unermessliches Leid über viele Völker“ gebracht zu haben. Eine direkte Erwähnung des Holocaust fehlte jedoch. Kritiker warfen der Erklärung vor, sie gehe nicht weit genug und vermeide eine vollständige Aufarbeitung der kirchlichen Mitverantwortung. Die Erklärung wurde über Zeitungen und Rundfunksendungen verbreitet. Im Ausland wurde sie als Schritt zur moralischen Verantwortung anerkannt, doch in Deutschland lehnten viele sie als unzureichend ab. Historiker wie Gisela Diewald-Kerkmann setzten sich später in Werken wie Der Protestantismus unter den Nazis mit dem Handeln der Kirche in der NS-Zeit auseinander. Die Debatte über das Erbe der EKD dauert bis heute an.

Die Stuttgarter Schulderklärung bleibt ein zentraler Moment in der Nachkriegsgeschichte der evangelischen Kirche. Sie eröffnete die Diskussion über die Versäumnisse der Kirche in der NS-Zeit, ließ aber wichtige Fragen offen. Die Auseinandersetzung mit diesem Erbe prägt noch immer die inneren und öffentlichen Debatten innerhalb der EKD.