Warum nicht die Rehe, sondern der Mensch Deutschlands Wälder bedroht
Harry GirschnerWarum nicht die Rehe, sondern der Mensch Deutschlands Wälder bedroht
Deutschlands Wälder kämpfen um ihre Regeneration – und oft wird der Rehwildbestand für die Schäden verantwortlich gemacht. Die Tiere fressen junge Bäume und verhindern so in vielen Gebieten das Nachwachsen neuer Bestände. Doch Fachleute argumentieren nun, dass nicht die Rehe, sondern das menschliche Handeln die eigentliche Ursache des Problems ist.
Rehe zerstören in großer Zahl junge Baumtriebe und erschweren damit die natürliche Verjüngung der Wälder. Viele fordern daher eine Bejagung der Tiere, um die jungen Bäume zu schützen. Doch Ilse Stroch, Professorin für Wildtierökologie an der Universität Freiburg, erklärt, dass gerade die Jagd die Rehe zwingt, sich verborgen im Wald aufzuhalten.
Wegen des starken Jagddrucks meiden die Tiere offene Flächen und bleiben tief im Wald. Dort fressen sie die jungen Triebe – und verschärfen so das Problem. Stroch betont, dass nicht das natürliche Verhalten der Rehe, sondern die Art und Weise, wie der Mensch Jagd und Lebensräume gestaltet, den Ausschlag gibt.
Wildtierbiolog:innen plädieren nun für einen anderen Ansatz: Sie empfehlen, den Jagddruck zu verringern und geschützte Wildruhezonen einzurichten. Alternative Nahrungsquellen könnten die Rehe zudem davon abhalten, junge Bäume zu fressen. Auch Vanessa Reske, Reporterin bei Deutschlandfunk Nova, die über den Fall berichtet, sieht die Ursache des Problems in menschlichen Entscheidungen – nicht im Verhalten der Rehe.
Die vorgeschlagene Lösung setzt darauf, das Zusammenleben von Mensch und Reh zu verändern, statt einfach die Bestände zu dezimieren. Durch weniger Jagd und sichere Rückzugsräume könnten sich die Wälder besser erholen. Die Debatte verlagert sich nun darauf, ob diese Maßnahmen umgesetzt werden, um Deutschlands Wälder zu schützen.






