TFA: Das ewige Chemikalie im deutschen Trinkwasser
TFA: Die ewige Chemikalie im deutschen Trinkwasser
Teaser: Jahre lang wurde TFA legal in öffentliche Gewässer eingeleitet. Nun rätseln Fachleute, wie sich der unerwünschte Stoff aus der Umwelt entfernen lässt.
21. Dezember 2025
Eine schädliche „Ewigkeitschemikalie“ breitet sich in den deutschen Wasservorräten aus und wirft Fragen zur Sicherheit des Trinkwassers auf. Trifluoressigsäure (TFA), ein extrem beständiger und wasserlöslicher Stoff, wurde jahrelang legal in Flüsse eingeleitet – und verseucht nun Grundwasser, Seen und sogar Lebensmittel.
TFA ist mittlerweile in allen Umweltbereichen nachweisbar, von den Ozeanen bis hin zu Pflanzen. Über 76 Prozent der Grundwasserproben enthalten die Chemikalie, betroffen sind auch Flüsse wie der Rhein und der Bodensee. Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) warnt, dass TFA zunehmend die Trinkwasserversorgung bedroht.
Der Stoff gelangt auf zwei Hauptwegen in die Gewässer: Zur Hälfte stammt er aus Industrie, Handel und Haushalten, die andere Hälfte aus der Landwirtschaft. Pestizide und fluorierte Chemikalien (PFAS) zersetzen sich zu TFA, das dann über Regen und Abflüsse von Ackerflächen ins Grund- und Oberflächenwasser sickert. Ein großer Verursacher ist das Chemiewerk des belgischen Konzerns Solvay in Bad Wimpfen. Jahre lang hat die deutsche Tochterfirma des Unternehmens TFA – legal und mit behördlicher Genehmigung – in den Neckar eingeleitet. Doch die Chemikalie lässt sich mit heutigen Filtermethoden nicht entfernen, ihre Auswirkungen auf das Trinkwasser könnten unumkehrbar sein.
Deutsche Behörden stufen TFA als reproduktionstoxisch ein. Sowohl das Bundesamt für Chemikalien (BfC) als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weisen auf die Risiken hin. Doch wegen seiner extremen Stabilität und Löslichkeit reichert sich der Stoff weiterhin in den Wassersystemen an.
Mit der heutigen Technologie scheint die Verunreinigung der Trinkwasserquellen durch TFA unvermeidbar. Da die Chemikalie legal in Flüsse eingeleitet wird und sich nicht abbauen lässt, wird sich die Belastung voraussichtlich weiter verschärfen. Die Behörden stehen nun vor der Herausforderung, ein Problem ohne einfache Lösung in den Griff zu bekommen.