24 January 2026, 00:33

Streit um telefonische Krankschreibungen: CDU-Pläne treffen auf scharfe Kritik

Ein deutsches Propagandaplakat der NSDAP mit zwei Männern auf einem Sofa und Textinformationen über die Partei.

Streit um telefonische Krankschreibungen: CDU-Pläne treffen auf scharfe Kritik

Ein aktueller Vorschlag zur Abschaffung von telefonischen Krankschreibungen hat in Deutschland eine Kontroverse ausgelöst. Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU, regte an, die Praxis zu beenden, die lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankschreibungen pro Jahr ausmacht. Kritiker, darunter die Krankenkasse AOK und politische Aktivisten, lehnen die Idee jedoch entschlossen ab.

Die Debatte entbrannte, nachdem Merz die Abschaffung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gefordert hatte – mit der Begründung, dies könne Missbrauch eindämmen. Die AOK, eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands, stellte jedoch klar, dass die telefonischen Atteste nicht für den jüngsten Anstieg der Krankheitstage verantwortlich seien. Damit widersprach sie direkt der Behauptung, das System werde ausgenutzt.

Auch Aktivisten meldeten sich zu Wort und widerlegten wiederholt falsche Behauptungen sowohl zu den Bürgergeld-Reformen als auch zur Krankschreibungspraxis. Heidi Reichinnek, fraktionsvorsitzende der Linken, bezeichnete den Kurs der CDU als eine "faktenfreie Hetzkampagne". Sie warf der Partei vor, mit irreführenden Narrativen Veränderungen durchsetzen zu wollen.

Die Bürgergeld-Reformen, die Mitte Januar im Bundestag beraten wurden, waren ursprünglich als Sparmaßnahme beworben worden. Doch Experten warnen, dass sie stattdessen die Verwaltungskosten in die Höhe treiben könnten. Viele Bezieher von Bürgergeld gehen bereits einer Arbeit nach, sind aber auf ergänzende Leistungen angewiesen – ein Widerspruch zum Klischee der "totalen Verweigerer", das mit den Reformen bekämpft werden soll.

Der Plan, telefonische Krankschreibungen abzuschaffen, stößt auf breiten Widerstand. Die Daten der AOK zeigen, dass die Praxis kaum genutzt wird, während Kritiker der CDU vorwerfen, damit Spaltung unter den Beschäftigten zu schüren. Die Diskussion offenbart letztlich tiefere Konflikte um Sozialpolitik und Arbeitsdisziplin in Deutschland.