16 March 2026, 22:21

"Schwarzer Donnerstag": Wie Stuttgart 21 die Politik Baden-Württembergs für immer veränderte

Schwarz-weiß-Zeichnung einer dichten Menge auf einer Stadtstraße mit Gebäuden auf beiden Seiten und einem Himmel-Hintergrund, beschriftet mit "Die Schlacht von Stuttgart" unten.

"Schwarzer Donnerstag": Wie Stuttgart 21 die Politik Baden-Württembergs für immer veränderte

Vor fünfzehn Jahren erreichte der Konflikt um Stuttgart 21 auf dem "Schwarzen Donnerstag", dem 30. September 2010, seinen Höhepunkt. Was als Protest gegen ein Bahnprojekt begonnen hatte, eskalierte im Schlossgarten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen Hunderte verletzt wurden. Die Folgen prägten die Politik in Baden-Württemberg noch Jahre später.

Der Tag begann mit einer geplanten Polizeiaktion, um Demonstranten aus dem Stuttgarter Schlossgarten zu räumen. Die Behörden setzten massiv Kräfte ein, was zu Zusammenstößen führte, bei denen Hunderte Menschen verletzt wurden. Unter den Betroffenen war auch Dietrich Wagner, ein unbeteiligter Passant, der von einem Wasserwerfer ins Gesicht getroffen wurde. Der Vorfall kostete ihn fast das Augenlicht und machte ihn unfreiwillig zu einem Symbol der Proteste.

Stefan Mappus, damals CDU-Ministerpräsident, hatte den Polizeieinsatz am Vortag genehmigt. Zwar wurde nie ein direkter Einfluss nachgewiesen, doch sein Ruf litt erheblich. 2011, nach der verlorenen Landtagswahl der CDU, trat Mappus als Parteichef zurück und gab später auch sein Mandat auf. Sein Rückzug markierte den Beginn eines langfristigen Niedergangs der CDU in der Region.

In der Folgezeit rückten einige Persönlichkeiten in den Mittelpunkt des Streits. Matthias von Herrmann, Sprecher der Initiative "Parkschützer", wurde zu einer führenden Stimme gegen Stuttgart 21. Wagner hingegen blieb jahrelang in der Öffentlichkeit präsent, nahm an Gerichtsverfahren als Kläger und Nebenkläger teil. Andere wie Mappus zogen sich komplett aus der Politik zurück.

Erst Jahre später, 2015, entschuldigte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann offiziell für die Ereignisse im Schlossgarten. Die Verantwortung liege, so räumte er ein, bei der Vorgängerregierung. Bis dahin hatte sich die politische Landschaft bereits gewandelt: Die Grünen gewannen an Einfluss, während die CDU kontinuierlich an Unterstützung verlor.

Die Ereignisse des Schwarzen Donnerstags hinterließen tiefe Spuren in der baden-württembergischen Politik. Die CDU fiel von einer führenden Position auf rund 24 Prozent in der Wählergunst bis 2021, während die Grünen die Macht übernahmen. Aktuelle Umfragen zeigen nun die AfD an der Spitze, während die CDU kämpft, ihren früheren Einfluss zurückzugewinnen. Die Proteste, die Verletzungen und die politischen Folgen prägen bis heute die Entwicklung der Region.

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