Rentenreform 2027: Warum Verbraucherschützer vor hohen Gebühren und schwachen Renditen warnen
Enrico HerrmannRentenreform 2027: Warum Verbraucherschützer vor hohen Gebühren und schwachen Renditen warnen
Deutschlands neue private Rentenreform stößt noch vor ihrem Start auf scharfe Kritik
Die im Dezember vom Kabinett beschlossenen Änderungen sollen bis 2027 kapitalmarktgebundene Altersvorsorgekonten einführen. Doch Verbraucherschützer warnen, der Plan könnte frühere Fehler wiederholen – und Bürger hohen Gebühren sowie schlechten Renditen aussetzen.
Im Mittelpunkt der Reform steht ein neues, anlageorientiertes Rentenkonto, das durch Kapitalmärkte höhere Erträge erzielen soll. Ab Januar 2027 können Bürger diese Konten neben den bestehenden garantiebasierten Produkten nutzen. Zudem plant die Regierung ab 2026 eine staatlich geförderte Sparlösung mit 150 Euro monatlich – die sogenannte Aktienrente.
Kritiker bemängeln jedoch, dass das System weiterhin zu stark auf privat verkaufte Finanzprodukte setzt. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wirft der Reform vor, vor allem Finanzvermittlern in die Hände zu spielen, die oft Produkte mit hohen Provisionen anbieten. Zudem ignoriere der Plan das anhaltende Problem der geringen Finanzbildung in Deutschland.
Nauhauser schlägt als Alternative einen staatlichen Rentenfonds nach schwedischem Vorbild vor. Anders als das freiwillige deutsche Riester-Modell kombiniert das schwedische System umlagefinanzierte Renten mit einer obligatorischen, einkommensabhängigen Prämie von 2,5 Prozent. Die Leistungen passen sich automatisch an Lohnentwicklung und Marktperformance an, was die Volatilitätsrisiken verringert. Historische Daten zeigen, dass deutsche Aktien über 118 Jahre hinweg jährlich um vier Prozentpunkte besser abschnitten als Anleihen – doch hohe Fondskosten von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr könnten die Renditen auffressen.
Die Reformgegner verweisen auf frühere Misserfolge wie die geringe Beteiligung und schwache Erträge der Riester-Rente. Länder wie Schweden und die Niederlande, die Kapitalmarktelemente früher integrierten, erreichen heute Ersatzquoten von über 90 Prozent. Deutschlands System, das noch immer stark umlagefinanziert ist, hinkt im internationalen Vergleich hinterher.
Nauhauser wirft Finanzminister Lars Klingbeil vor, die Interessen der Finanzlobby über die Sicherheit der Bürger zu stellen. Ohne strengere Schutzmechanismen drohe die neue Reform ein weiteres schwaches Modell zu werden, so seine Warnung.
Die Umsetzung erfolgt schrittweise: Die ersten Anlagekonten sollen Anfang 2027 eröffnet werden. Bei Erfolg könnte die Reform die Altersvorsorge durch marktgebundenes Wachstum stärken. Doch ohne Senkung der Gebühren oder eine bessere Finanzbildung, so die Kritiker, werde sie viele Deutsche kaum besserstellen als bisher.






