Mannheims Vereine blicken kritisch auf ihre NS-Vergangenheit zurück
Enrico HerrmannMannheims Vereine blicken kritisch auf ihre NS-Vergangenheit zurück
Mannheim gedenkt der Opfer des Holocaust mit kritischer Aufarbeitung der Vereinsgeschichte
Am 27. Januar erinnerte Mannheim zum Holocaust-Gedenktag an die Rolle lokaler Vereine während der NS-Zeit. Die Stadt, in der rund 3.000 Vereine ansässig sind, bot eine Plattform für Gruppen, die ihre historischen Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus aufarbeiten. In den Vorträgen wurde deutlich, wie viele Organisationen damals mit dem Regime kollaborierten und jüdische Mitglieder systematisch ausschlossen.
Vier Vereine präsentierten bei der Veranstaltung ihre Forschungsergebnisse: Die Mannheimer Jugendfeuerwehr beleuchtete das Schicksal jüdischer Feuerwehrleute unter der NS-Herrschaft. Die DGB-Jugend Nordbaden untersuchte die Zerschlagung der Gewerkschaften im Jahr 1933. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken verglich ihre Vorgängerorganisation mit dem heutigen Verband, während das Fanprojekt Mannheim das Lebenswerk von Walter Blum vorstellte.
Oberbürgermeister Christian Specht betonte in seiner Rede die politische Prägungskraft von Vereinen für das gesellschaftliche Miteinander und die demokratischen Werte. Prof. Dr. Deborah Kämper warnte vor Gleichgültigkeit und mahnte, wachsam gegen Ausgrenzung und Diskriminierung – sowohl in Vereinen als auch im Alltag – zu bleiben. Historische Quellen belegen, dass Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit systematisch aus Sport- und Sozialverbänden ausgeschlossen wurden.
Besondere Erwähnung fand der Rotary Club Mannheim, dessen Mitglieder damals verfolgt wurden. Viele andere Vereine jedoch arbeiteten aktiv mit dem Regime zusammen. Die Diskussionen unterstrichen die Verantwortung heutiger Vereine, eine friedliche und inklusive Gesellschaft zu fördern.
Die Gedenkveranstaltungen erinnerten an das Handeln Mannheims Vereine in der Vergangenheit. Durch die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte wollen die Organisationen heute demokratische Grundwerte stärken. Die Veranstaltung appellierte an alle Verbände, wachsam gegen Diskriminierung zu bleiben und sich für Freiheit und Gleichheit einzusetzen.