Mannheims neues Ludwig-Frank-Denkmal konfrontiert mit widersprüchlicher Geschichte
Paula GumprichMannheims neues Ludwig-Frank-Denkmal konfrontiert mit widersprüchlicher Geschichte
Mannheim stellt neue Informationstafel am Ludwig-Frank-Denkmal im Unteren Luisenpark auf
Die Ergänzung soll zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes anregen – einschließlich der gegensätzlichen Vermächtnisse seines Namensgebers und des Künstlers hinter der Skulptur.
Das ursprüngliche Ludwig-Frank-Denkmal wurde in der NS-Zeit zerstört. 1950 errichtete man als Ersatz einen Gedenkstein mit einer Plastik von Bernhard Bleeker. Frank, eine prägende Figur der lokalen Politik, hatte sich für Chancengleichheit in der Bildung, allgemeines Wahlrecht und Pazifismus eingesetzt – Werte, die im Widerspruch zum Regime standen, das sein Denkmal später vernichtete.
Die neue Tafel bietet Hintergrundinformationen zu Bleekers Werk, das in jüngster Zeit erneut in die Kritik geraten ist. Aktuelle Recherchen belegen seine NSDAP-Mitgliedschaft sowie seine Aufnahme in die Gottbegnadeten-Liste des NS-Regimes, ein Verzeichnis von Künstlern, die von der Partei protegiert wurden. Diese Erkenntnisse stehen nun neben Franks demokratischem Erbe und schaffen einen Raum für eine kritische Debatte.
Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen, Stadtarchiven und Kultureinrichtungen entwickelt wurde, zielt darauf ab, eine offene Erinnerungskultur zu fördern. Thorsten Riehle, Mannheims Kulturbeauftragter, betonte dessen Bedeutung für die öffentliche Auseinandersetzung mit komplexen historischen Erzählungen.
Um dieses Ziel zu unterstützen, wird die Aufstellung der Tafel von einer Reihe öffentlicher Veranstaltungen begleitet – darunter Vorträge und Diskussionsrunden. Diese sollen das Verständnis für die vielschichtige Geschichte des Ortes und ihre heutige Relevanz vertiefen.
Die Tafel gibt Besuchenden nun die Möglichkeit, die Spannungen zwischen Franks fortschrittlichen Idealen und Bleekers NS-Vergangenheit zu erkunden. Durch die Gegenüberstellung dieser Gegensätze hofft die Stadt, einen anhaltenden Dialog über Erinnerung, Geschichte und die Verantwortung öffentlicher Gedenkpraxis anzuregen.