Mainz feiert Brechts Dreigroschenoper mit moderner Satire und Sopran-Überraschung
Enrico HerrmannMainz feiert Brechts Dreigroschenoper mit moderner Satire und Sopran-Überraschung
Das Staatstheater Mainz inszeniert Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper mit frischem, spielerischem Charme
Am 27. September erstrahlte die Fassade des Staatstheaters Mainz mit Zitaten aus dem berühmten Werk – Teil der Veranstaltung Mainz leuchtet. Die Neuinszenierung unter der Regie von Jan Neumann verbindet beißende Satire mit selbstironischen Akzenten und bietet dem Publikum eine lebendige, moderne Interpretation des Klassikers.
Im Mittelpunkt steht Macheath, besser bekannt als "Mackie Messer", ein gefürchteter Verbrecher im Londoner Milieu, verkörpert von Henner Momann. Seine Heirat mit Polly Peachum, der Tochter des "Bettlerkönigs" Jonathan Peachum, sorgt für Zündstoff. Holger Kraft spielt den skrupellosen Peachum, der mit seinem lukrativen Bettlerimperium die Verbindung vehement ablehnt. Maren Schwier gibt die zerrissene Polly, hin- und hergerissen zwischen den Machenschaften ihres Vaters und dem gefährlichen Leben an der Seite ihres Mannes.
Ein besonderer Höhepunkt gelingt Anika Baumann, die Die Moritat von Mackie Messer – traditionell ein Baritonstück – mit beeindruckender Sopranstimme interpretiert. Die Inszenierung thematisiert dabei auch Brechts eigene Widersprüche: seine Kapitalismuskritik bei gleichzeitigem kommerziellem Erfolg.
Die Produktion wird bereits für ihren Humor und die einfallsreiche Bühnenführung gefeiert. Karten sind zwischen 17,50 und 45,50 Euro erhältlich, inklusive eines Getränkeguthabens. Vier weitere Vorstellungen sind für 2025 geplant: am 2. und 12. Oktober sowie am 2. und 9. November. Für 2026 steht bereits ein Termin fest – der 2. April.
Diese Neuinterpretation der Dreigroschenoper bewahrt Brechts scharfe Gesellschaftskritik, verleiht ihr aber eine zeitgemäße, selbstreflexive Note. Mit ikonischen Songs, kraftvollen Darstellungen und geistreicher Regie verbindet die Inszenierung Unterhaltung und Denkanstöße. Wer sie erleben möchte, hat noch bis Jahresende im Staatstheater Mainz Gelegenheit.






