Kölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Wie eine Tragödie die Stadt bis heute prägt
Harry GirschnerKölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Wie eine Tragödie die Stadt bis heute prägt
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das historische Stadtarchiv Kölns und begrub 1,7 Millionen Dokumente unter Trümmern. Dabei kamen zwei junge Männer ums Leben, als der Boden unter ihnen nachgab. Mehr als ein Jahrzehnt später sind die juristischen Auseinandersetzungen zwar beendet, doch die Stelle bleibt eine mahnerische Erinnerung an die Tragödie.
Der Einsturz ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-Stadtbahnlinie, die von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) verantwortet wurde. Trotz fehlender Erfahrung mit derart groß angelegten Projekten leitete die KVB die Arbeiten. Spätere Ermittlungen ergaben, dass entscheidende Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren.
2018 verurteilte das Landgericht Köln den Bauleiter und den Oberbauleiter zu Bewährungsstrafen. Doch bis 2024 wurden die Verfahren gegen die letzten Angeklagten gegen Geldauflagen eingestellt. Die Behörden kamen zu dem Schluss, dass die noch Verantwortlichen nur eine "mittelbare" Schuld am Einsturz trugen.
Die Unglücksstelle selbst blieb seit der Katastrophe weitgehend unberührt. 2023 erfolgte eine teilweise Verfüllung mit Beton, doch heute prägt eine Landschaft aus Sandhügeln und wildem Gestrüpp das Gelände. Unterdessen wird die provisorische Betonbarriere bald abgebaut, da die U-Bahn-Bauarbeiten wiederaufgenommen werden – mit dem Versprechen, die Fahrzeit um acht Minuten zu verkürzen.
Seit 2011 setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine würdige Gedenkstätte und Mitsprache bei den Planungen zur Neugestaltung ein. 2022 wurde Reinhard Matz' Kunstwerk Klagelied in acht Tafeln – eine bildliche Chronik des Einsturzes – am Bauzaun installiert und dient seither als öffentliches Mahnmal.
Der Einsturz löschte ein Jahrtausend dokumentierter Kölner Geschichte aus und hinterließ eine tiefe Narbe in der Stadt. Nun, da die juristischen Verfahren abgeschlossen sind und der Bau voranschreitet, bleibt die Zukunft des Ortes ungewiss. Das U-Bahn-Projekt geht weiter – doch die Erinnerung an die Katastrophe und der Kampf um ein angemessenes Gedenken bestehen fort.






