KI, China und E-Mobilität: Wie die Autoindustrie ihre Zukunft neu erfindet
Enrico HerrmannKI, China und E-Mobilität: Wie die Autoindustrie ihre Zukunft neu erfindet
Die Zukunft der Automobilinnovation stand diese Woche im Mittelpunkt des auto motor und sport-Kongresses in Stuttgart. Veranstaltungsort war das Mercedes-Benz Museum, wo sich Branchenführer versammelten, um über Künstliche Intelligenz, Elektrifizierung und den globalen Wettbewerb zu diskutieren. Spitzenmanager von Mercedes-Benz, BMW und Technologieunternehmen skizzierten sowohl Chancen als auch Herausforderungen der kommenden Jahre.
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, eröffnete die zweitägige Veranstaltung mit einer nüchternen Bestandsaufnahme zur Elektrifizierung. Er hinterfragte den Plan der EU, Verbrennungsmotoren bis 2035 zu verbieten, und verwies darauf, dass Elektrofahrzeuge derzeit nur 16 Prozent des EU-Marktes ausmachen. Stattdessen beschrieb er den Wandel zur E-Mobilität als eine "Hauptstraße" – eine, die dennoch Raum für alternative Technologien lassen sollte.
China entwickelte sich zum zentralen Thema; Källenius bezeichnete den Markt als das "härteste Wettbewerbsfeld" der Automobilbranche. Rund 130 Marken kämpfen dort mittlerweile um die Vorherrschaft und setzen globale Hersteller unter Druck. Auch generative KI dominierte die Debatten. Schlüsselakteure wie NVIDIA, FEV, Schaeffler, Siemens, Sonatus und MarkLines präsentierten ihre Fortschritte in diesem Bereich. NVIDIA nutzt KI, um die Fahrzeugentwicklung und -produktion durch Simulationen zu beschleunigen. FEV arbeitet mit Nature Architects zusammen, um KI-gestützte Fahrzeugstrukturen zu entwickeln und die Homologation zu vereinfachen. Schaeffler und Siemens entwickeln einen "Industrial Copilot", der mit generativer KI Produktionscode erstellt. Sonatus trug zu einer Studie von Frost & Sullivan über Edge-KI in Fahrzeugen bei, und MarkLines kündigte für 2026 eine Beta-Version seines Gen-KI-Tools zur Analyse von Automobil-Daten an. Andreas Geiss von Aleph Alpha und Julien Hohenstein von BMW erörterten, wie generative KI repetitive Aufgaben in der Entwicklung reduzieren könnte. Sören Jautelat von McKinsey betonte, dass hohe Datenqualität, klare Steuerungsmechanismen und regelmäßige Prüfungen entscheidend für zuverlässige KI-Agentensysteme seien.
Neben KI zogen weitere Innovationen die Aufmerksamkeit auf sich. Tobias Mitter, CIO von E.ON Deutschland, hob das bidirektionale Laden von Elektrofahrzeugen als Instrument für Klimaschutz und Netzstabilität hervor. Christoph Keese schlug vor, Satellitenkommunikation in Autos zu integrieren, um Funktionen wie die Parkplatzsuche zu verbessern. Uve Samuels vom Exponential Innovation Institute diskutierte, wie KI-Agenten exponentielles Wachstum in der Branche vorantreiben könnten. Thomas Körzdörfer von der HUK-Coburg Versicherung erläuterte, wie KI die Versicherungsbranche bereits durch Telematik und schnellere Schadensabwicklung verändert.
Der Kongress unterstrich sowohl das rasante Tempo des Wandels als auch die noch bestehenden Hürden für die Automobilindustrie. Von KI-gestützter Entwicklung über Elektrifizierung bis hin zum globalen Wettbewerb treiben Hersteller und Technologieunternehmen die Grenzen des Machbaren voran – doch praktische Herausforderungen bleiben. Die Diskussionen ebneten den Weg für eine engere Zusammenarbeit zwischen traditionellen Automobilherstellern und aufstrebenden Tech-Partnern.