Kardiologe verlässt Klinikum Sigmaringen – ambulante Versorgung vor Umbruch
H.-Dieter ReuterKardiologe verlässt Klinikum Sigmaringen – ambulante Versorgung vor Umbruch
Klinikum Sigmaringen passt ambulante Versorgung an – Kardiologe Jan Prillinger wechselt in die Niederlassung
Nach Jahren spezialisierter Behandlungen stellt das SRH-Klinikum Sigmaringen seine ambulante Versorgung neu auf. Der Kardiologe Jan Prillinger, der bisher Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren betreute, wird die Klinik bald verlassen, um sich in einer eigenen Praxis niederzulassen. Sein Weggang unterstreicht die Herausforderungen, vor denen Krankenhäuser stehen, wenn sie ambulante und stationäre Versorgung unter den aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen in Einklang bringen müssen.
Jahre lang verantwortete Jan Prillinger am Sigmaringer Klinikum die ambulante Betreuung von Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren. Für diese Tätigkeit benötigte er eine Sondergenehmigung, da Krankenhäuser solche komplexen Leistungen in der Regel nur mit individueller Zulassung erbringen dürfen. Diese Genehmigungen werden nicht an die Klinik selbst, sondern an einzelne Ärzte vergeben und ermöglichen es ihnen, spezifische ambulante Behandlungen anzubieten.
Allerdings sind ambulante Leistungen für Krankenhäuser weniger lukrativ als stationäre Behandlungen, da die relativen Kosten höher ausfallen. Trotzdem hält das SRH-Klinikum ambulante Angebote in den Fachbereichen Kardiologie, Urologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Chirurgie und Onkologie aufrecht. Die Klinikleitung betrachtet diese Leistungen als ergänzendes Angebot, das vor allem der Patientenversorgung dient – und nicht als Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten vor Ort.
Auch in der Onkologie kämpft das Krankenhaus mit Personalengpässen. Seit Februar setzt es auf geliehene Fachärzte, nachdem die Chefarztstelle unbesetzt blieb. Besonders betroffen sind gesetzlich versicherte Krebspatienten, die auf ambulante Behandlungen angewiesen sind.
Mit Prillingers Wechsel in die Gemeinschaftspraxis Hanfertal zum 1. Oktober endet seine klinikgebundene Tätigkeit. Sein Abschied fällt in eine Phase, in der die SRH-Kliniken mit einem Anstieg ambulanter Behandlungen rechnen – getrieben von gesundheitspolitischen Weichenstellungen, die stationäre Aufenthalte reduzieren sollen. Zwar verfügen nur wenige Zentren bundesweit über die notwendigen Zulassungen für die Betreuung komplexer Geräte wie Schrittmacher, doch der Wandel spiegelt einen größeren Trend wider: Krankenhäuser passen ihre Strukturen zunehmend an eine stärker ambulante Spezialversorgung an.
Prillingers Weggang hinterlässt im Sigmaringer Klinikum eine Lücke in der Betreuung von Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren. Die Einrichtung wird ambulante Leistungen dort weiter anbieten, wo die Genehmigungen dies zulassen – doch finanzielle und personelle Engpässe bleiben bestehen. Angesichts der gesundheitspolitischen Priorisierung ambulanter Behandlungen könnten Kliniken wie die SRH künftig noch stärker auf Modelle setzen müssen, die den stationären Bereich zugunsten der ambulanten Versorgung zurückfahren.






