Junge Union fordert radikale Rentenreform: Mehr Kinder, weniger Abgaben – doch wer zahlt?
Enrico HerrmannJunge Union will Anreize für vorzeitige Rente reduzieren und Krankentage einführen - Junge Union fordert radikale Rentenreform: Mehr Kinder, weniger Abgaben – doch wer zahlt?
Die Jugendorganisation der deutschen CDU, die Junge Union (JU), drängt auf umfassende Reformen der Renten- und Sozialsysteme vor der für Februar geplanten Parteikonferenz. Ihre Vorschläge umfassen strengere Regeln für den vorzeitigen Ruhestand, Änderungen beim Krankengeld sowie ein neues, an die Kinderzahl geknüpftes Rentensystem.
Zudem zielen die Pläne auf eine Senkung der Krankenversicherungskosten und eine Inflationsanpassung der Renten ab, um die finanzielle Belastung des Systems zu verringern.
Nach den Vorstellungen der JU sollten die Rentenbeiträge künftig von der Anzahl der Kinder abhängen: Wer mehr Kinder hat, würde weniger zahlen, während kinderlose Versicherte höhere Abgaben leisten müssten. Die Organisation will zudem die "Rente mit 63" abschaffen – mit Ausnahme von Härtefällen – und stattdessen das Renteneintrittsalter direkt an die Lebenserwartung koppeln.
Um Frühverrentungen unattraktiver zu machen, schlägt die JU vor, die bestehenden Abschläge für langjährige Versicherte, die vor dem regulären Renteneintrittsalter ausscheiden, zu verdoppeln. Rentenanpassungen würden dann nicht mehr an die Lohnentwicklung, sondern an die Inflation geknüpft – eine Maßnahme, die den Kostenanstieg bremsen soll.
Beim Krankengeld plant die JU zwei zentrale Änderungen: eine Wartezeit vor dem Bezug der Leistungen sowie eine vorübergehende Kürzung der Zahlungen, um Fehlzeiten zu reduzieren. Zudem soll das Krankengeld in den ersten Krankheitstagen eingeschränkt werden, um Arbeitnehmer zu einem schnelleren Wiedereinstieg zu bewegen. Im Gesundheitsbereich setzt die Organisation auf eine Verlagerung der Versorgung von stationären zu ambulanten Diensten, was ihrer Ansicht nach die Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung senken würde.
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), eine weitere CDU-nahe Vereinigung, wird auf der Konferenz eigene Anträge einbringen. Während ihr Fokus auf Arbeitsmarktreformen liegt – etwa bei der Einschränkung von Teilzeitarbeitsrechten –, teilt sie das übergeordnete Ziel der JU, die Erwerbstätigkeit zu stärken. Konkrete Pläne zu Rente oder Gesundheitspolitik hat die MIT jedoch nicht vorgelegt, sodass die JU-Vorschläge bisher das detaillierteste Reformpaket darstellen.
Sollten die Pläne der JU angenommen werden, stünde Deutschland eine grundlegende Umgestaltung der Renten- und Sozialsysteme bevor. Die Reformen würden Leistungen stärker an individuelle Umstände wie Familiengröße und Renteneintrittsalter knüpfen, während sie gleichzeitig die Regeln für Krankengeld und vorzeitigen Berufsausstieg verschärfen. Ob die Vorschläge umgesetzt werden, entscheidet sich auf dem CDU-Parteitag im Februar.