Grüne in Baden-Württemberg zerstreiten sich über Palantirs umstrittene Polizeisoftware
Enrico HerrmannGrüne in Baden-Württemberg zerstreiten sich über Palantirs umstrittene Polizeisoftware
In Baden-Württemberg wächst der Widerstand gegen die Verwendung der Palantir-Software Gotham durch die Landespolizei. Die Kritiker, darunter Mitglieder der Grünen und zivilgesellschaftliche Gruppen, setzen sich dafür ein, das umstrittene Datenanalysewerkzeug zu blockieren. Die Kontroverse hat tiefe Gräben innerhalb der Partei aufgedeckt und Sorgen um Datenschutz und Transparenz geschürt.
Der Auslöser der Debatte war die Entdeckung von Grünen-Abgeordneten, dass die Polizei bereits im vergangenen Sommer Verträge mit Palantir abgeschlossen hatte. Viele fühlten sich übergangen und warfen der Parteiführung vor, sie im Dunkeln gelassen zu haben. Basismitglieder bezeichnen den Prozess inzwischen als täuschend, was die interne Verärgerung weiter anheizt.
Im Zentrum der Debatte steht Palantirs Gotham-Software, die großangelegte Datensammlungen und -auswertungen ermöglicht. Kritiker befürchten, dass sie zu einer übermäßigen Überwachung führen könnte. Der Initiator einer Petition, Sebastian Müller, warnt, dass der Begriff 'Prävention' als Rechtfertigung dienen könnte, um alle Daten in das System einzubeziehen. Seine Bedenken spiegeln größere Ängste vor Eingriffen in die Privatsphäre und einer aufdringlichen Beobachtung wider. Die Petition gegen die Software hat bereits 13.000 Unterschriften gesammelt. Ortsverbände der Grünen sammeln nun weitere, um eine interne Abstimmung über das Thema zu erzwingen. Gleichzeitig treibt das Bündnis 'Kein Palantir in Baden-Württemberg' die Bemühungen voran, den Polizeieinsatz der Software zu stoppen.
Die Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz verteidigt die Entscheidung und betont, dass die Software auf isolierten, nicht mit dem Internet verbundenen Rechnern läuft. Sie versichert auch, dass Palantir-Mitarbeiter keinen Zugriff auf sensible Personendaten haben. Doch die Gegner lassen sich nicht überzeugen und verweisen auf die hohen Kosten einer Vertragsauflösung als Hürde für einen Rückzieher.
Die Kontroverse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir mit einer harten Linie in Sachen Sicherheit konservative Wähler gewinnen will. Doch der Widerstand gegen Palantir droht, seine Strategie zu durchkreuzen – viele in der Partei sind nicht bereit, bei der Datensicherheit Kompromisse einzugehen.
Der Streit um Palantirs Software in Baden-Württemberg ist noch lange nicht entschieden. Mit bereits unterzeichneten Verträgen und drohenden Strafzahlungen steht das Land vor der schwierigen Wahl, den Kurs beizubehalten oder dem wachsenden Druck nachzugeben. Fürs Erste dauert die Debatte an – eine klare Lösung ist nicht in Sicht.