25 January 2026, 18:34

Gespaltene Gesellschaft: Friedensdemo und Gegenprotest in Reutlingen kollidieren

Schwarze und weiße Zeitungsanzeige für eine Chartisten-Demonstration am 10. April 1918 mit der Aufschrift 'Chartisten-Demonstration - Frieden und Ordnung ist unser Motto'.

Gespaltene Gesellschaft: Friedensdemo und Gegenprotest in Reutlingen kollidieren

Rund 300 Menschen zogen am Samstag durch Reutlingen und forderten Frieden, Freiheit und die Erhaltung des Bargelds. Bei der Demonstration wurde zudem eine "freie Presse" sowie ein "friedliches Europa mit Russland" eingeklagt. Redner auf der Veranstaltung kritisierten die Regierungspolitik und warfen Politikern Heuchelei und übermäßige Überwachung vor.

In der Nähe formierte sich eine kleinere Gegenkundgebung mit etwa 70 Teilnehmern, die sich für ein "buntes Deutschland" einsetzten und Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz zurückwiesen.

Organisator der Hauptkundgebung war Kevin Brügmann, der bereits durch Proteste gegen Corona-Maßnahmen und die Initiative "Gemeinsam für Deutschland" bekannt geworden war. Die Teilnehmer trugen Friedensfahnen und Deutschlandflaggen, während in Reden von "Provozierorgien" und staatlicher Willkür die Rede war.

Brügmann und seine Anhänger distanzierten sich später von "Gemeinsam für Deutschland", nachdem es bei der zweiten Reutlinger Demonstration Bedenken wegen rechtsextremer Verflechtungen in der Gruppe gegeben hatte. An der Gegenkundgebung beteiligten sich Vertreter der Linken, der SPD, der Grünen, der Initiative "Omas gegen rechts" sowie des Hilfsvereins "Drei Musketiere". Ihr Protest stand unter dem Zeichen von Vielfalt und lehnte die Botschaften der Hauptdemonstration ab. Eine starke Polizeipräsenz, darunter berittene Einheiten, überwachte die Lage. Die Behörden hatten sich auf mögliche Auseinandersetzungen vorbereitet, nachdem es bei früheren Gegenprotesten zu Spannungen gekommen war. Unterstützung erhielt die Hauptkundgebung auch aus der Schweiz, wo sich die Gruppe "Freiheitstrychler" mit Kuhglocken lärmend beteiligte und so zur Atmosphäre der Veranstaltung beitrug.

Die Demonstration in Reutlingen spiegelte die gesellschaftlichen Gräben bei Themen wie Medienfreiheit, Bargeldnutzung und dem Verhältnis zu Russland wider. Die Polizei sorgte für Ordnung, während zwei gegensätzliche Lager ihre Positionen deutlich machten. Die Veranstaltung endete ohne größere Zwischenfälle, doch die Spannungen zwischen Demonstranten und Gegenprotestlern blieben spürbar.