Freiburgs Verpackungssteuer spaltet Gastronomie und Kunden – wer zahlt den Preis?
H.-Dieter ReuterSteuer auf Verpackungen: 'Das ist doch schon frech' - Freiburgs Verpackungssteuer spaltet Gastronomie und Kunden – wer zahlt den Preis?
Drei deutsche Städte haben eine neue Steuer auf Einwegverpackungen für Essen zum Mitnehmen eingeführt, um die Abfallmenge zu reduzieren. In Freiburg, Heidelberg und Tübingen zahlen Kunden seitdem zwischen 20 und 70 Cent pro Einwegbehälter. Die Maßnahme hat sowohl bei Unternehmen als auch bei Verbrauchern eine kontroverse Diskussion ausgelöst.
Freiburg führte die Verpackungsabgabe zu Beginn des Jahres 2026 ein, gezielt für warme Takeaway-Gerichte. Die Steuer erhöht den Preis für jeden Einwegartikel um 50 bis 70 Cent – was manche Kunden und Restaurants zu kreativen Umgehungslösungen veranlasst hat. Einige bestellen ihre Speisen etwa vom Parkplatz aus ab oder geben leere Boxen als "Geschenk" aus, um die Gebühr zu umgehen.
Die Stadt bezeichnet die Anfangsphase als "Eingewöhnungszeit" mit erwartbaren Kinderkrankheiten. Vertreter der Kommune haben bereits mit rund 200 Betrieben gesprochen, um Bedenken zu klären und das System zu optimieren. Eine umfassende Bewertung der Steuerwirkung steht jedoch erst in zwei Jahren an.
Kritik kommt vor allem aus der Gastronomie: Einige Branchenvertreter monieren, dass zunächst ein flächendeckendes Mehrwegsystem hätte etabliert werden müssen. Freiburgs "Mehrweg-Initiative" bietet bisher nur Becher an – Essensbehälter sollen erst 2027 folgen. Gleichzeitig berichten zahlreiche Restaurants von sinkenden Takeaway-Umsätzen, bedingt durch die Zusatzkosten und den Umstieg auf Mehrweg.
Trotz des Widerstands hält Freiburg an seinen Zielen zur Abfallvermeidung fest. Die Betriebe passen sich weiter an, auch wenn manche mit den finanziellen und logistischen Herausforderungen hadern. Ob das Vorhaben langfristig gelingt, hängt maßgeblich vom Verhalten der Kunden und der Verfügbarkeit von Mehrwegalternativen ab.