Frankfurts „Ginnheimer Spargel“ kämpft um sein Überleben – wer rettet den Kultturm?
Paula GumprichFrankfurts „Ginnheimer Spargel“ kämpft um sein Überleben – wer rettet den Kultturm?
Deutschlands ikonische Fernsehtürme waren einst lebendige Treffpunkte – mit Panoramablick, Drehrestaurants und pulsierenden Nachtclubs. Doch viele stehen heute leer, ihre ursprüngliche Funktion durch moderne Technik überflüssig geworden. Die Zukunft des Frankfurter "Ginnheimer Spargels" ist ungewiss, denn Streitigkeiten um die Finanzierung verzögern dringend benötigte Sanierungen.
Der 338 Meter hohe "Ginnheimer Spargel" im Frankfurter Stadtteil Ginnheim war einst ein gesellschaftlicher Mittelpunkt mit Drehrestaurant und Nachtclub. Wie viele der deutschen Fernmeldetürme diente er ursprünglich der Unterbringung von Sendeanlagen, doch seine öffentlichen Bereiche machten ihn zu einem lokalen Wahrzeichen. Heute werden Signale über Glasfaserkabel und Satelliten übertragen – der Turm steht ohne Mieter und Einnahmen da.
Die meisten dieser Türme gehören zur DFMG (Deutsche Funkturm Management Gesellschaft), einer Tochter der Deutschen Telekom. Unter dem Namen GD Towers sucht das Unternehmen private Investoren, um die alternden Bauwerke zu erhalten. Doch verschärfte Sicherheitsvorschriften und hohe Instandhaltungskosten machen Sanierungen zu einer finanziellen Herausforderung. Eine Machbarkeitsstudie bezifferte die Kosten für die Restaurierung des "Ginnheimer Spargels" auf 50 Millionen Euro. Die Bundesregierung hatte angeboten, die Hälfte zu übernehmen, wenn sich das Land Hessen und die Stadt Frankfurt die restlichen Kosten teilen. Doch die Verhandlungen stocken. Da die Bundeszusage Ende 2025 ausläuft, geht die DFMG mittlerweile davon aus, dass der Turm geschlossen bleibt.
Anderswo läuft es besser: Die Türme in Hamburg und Dresden stehen kurz vor der Wiedereröffnung – dank desselben Bundes-Fördermodells. Nur noch vier deutsche Fernsehtürme sind für die Öffentlichkeit zugänglich: der Alexanderplatz-Turm in Berlin, der Rheinturm in Düsseldorf, der Florianturm in Dortmund und der Frauenkopfturm in Stuttgart. Die Eigentumsverhältnisse dieser Bauwerke sind unterschiedlich. Der Fernmeldeturm Mannheim etwa ging 1983 von der Gewerbebauträger GmbH an die Deutsche Bundespost über. Beim Europaturm in Frankfurt, historisch mit der Stadt und der Bundespost verbunden, ist die aktuelle Eigentümerschaft hingegen unklar.
Ohne Einigung zwischen Land und Stadt droht dem "Ginnheimer Spargel" ein ungewisses Schicksal. Seine Schließung würde ihn zu einem weiteren verlassenen Relikt der deutschen Telekommunikationsgeschichte machen. Nur noch eine Handvoll ähnlicher Bauwerke bleibt Besuchern offen – ihr Überleben hängt von erfolgreichen Finanzierungs- und Modernisierungsbemühungen ab.