23 January 2026, 06:28

Düsseldorfer Museum setzt auf unfreundliche Führungen – und begeistert damit Besucher

Eine Gruppe von Menschen geht durch eine Kunstgalerie mit gerahmten Fotos an den Wänden und einer beleuchteten Decke und trägt Taschen.

Düsseldorfer Museum setzt auf unfreundliche Führungen – und begeistert damit Besucher

Ein Düsseldorfer Museum lockt mit einer ungewöhnlichen Idee: Führungen mit einem absichtlich unfreundlichen Guide

Seit Mai bietet der Kunstpalast in Düsseldorf eine besondere Attraktion an – die Grantige Führung, bei der Besucher von einem bewusst groben Guide durch die Ausstellung begleitet werden. Die Termine sind seitdem durchgehend ausverkauft, was die Veranstalter selbst überrascht.

Hinter der Idee steckt der Performance-Künstler Joseph Langelinck, der in der Rolle des Grantigen Guides auftritt. Für sechs Euro erleben die Gäste eine Stunde voller scharfer Kommentare, vorwurfsvoller Gesten und gespielter Empörung – etwa wenn jemand aufs Handy schaut oder sich setzen möchte. Langelinck betont, er beleidige niemanden direkt, wolle die Besucher aber auf spielerische Weise das Gefühl geben, unwissend zu sein.

Inspiriert wurde das Konzept vom Kunstpalast-Direktor, der auf das Modell der „fiesen Kellner“-Restaurants wie Karen’s Diner aufmerksam wurde, wo das Personal Gäste absichtlich provokant behandelt. Während es in solchen Lokalen bereits Beschwerden über zu weit gehende Respektlosigkeit gab, kommt die Museumsversion deutlich besser an. Viele Teilnehmer verlassen die Führung lachend und bezeichnen das Erlebnis als klug und unterhaltsam.

Immer mehr Museen suchen nach interaktiven Formaten, um Besucher zu begeistern – doch nur wenige setzen auf eine solch konfrontative Herangehensweise. Der Kunstpalast wirbt mit einer „höchst unangenehmen“ Führung – doch der Erfolg zeigt: Für manche macht gerade eine Prise Unhöflichkeit den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Mittlerweile ist die Grantige Führung zu einem der Highlights im Kunstpalast geworden und beweist, dass selbst gezielte Unfreundlichkeit Publikum anzieht, wenn sie als Performance-Kunst inszeniert wird. Da alle Termine ausgebucht sind, hat sich das Museum damit einen einzigartigen Platz im kulturellen Wettbewerb gesichert. Die Besucher scheinen bereit, für die Chance, gerügt zu werden – Hauptsache, es bleibt ein Scherz.