Deutsche Flaggen in NRW: Weidel teilt falsche Informationen ├╝ber Staatschutzermittlungen
Paula GumprichDeutsche Flaggen in NRW: Weidel teilt falsche Informationen ├╝ber Staatschutzermittlungen
Rechtsextreme Kampagne zur Flaggenzeigung breitet sich Ende 2024 in Deutschland aus
Eine rechtsextreme Initiative, die Bürger dazu aufruft, Nationalflaggen zu zeigen, hat sich Ende 2024 in Deutschland ausgebreitet. Ursprünglich in den USA unter dem Hashtag #RaiseTheColours gestartet, gewann die Bewegung unter den Schlagworten #HoistTheFlag und #FlagAction an Fahrt. Deutsche rechtsextreme Gruppen, darunter die AfD und Aktivisten der Identitären Bewegung, bewarben sie aktiv in sozialen Medien und bei öffentlichen Veranstaltungen.
Der Vorstoß folgte Berichten über das Hissen deutscher Flaggen in Nordrhein-Westfalen, was die Aufmerksamkeit des Verfassungsschutzes auf sich zog. Unterdessen ging der Aufruf der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, mehr Flaggen aufzuhängen, viral – mit über 100.000 Likes auf Instagram und massenhafter Weiterverbreitung im Netz.
Die Kampagne hatte ihren Ursprung im Vereinigten Königreich unter #RaiseTheColours, bevor sie nach Deutschland überschwappte. Der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner rief Anhänger zur Teilnahme auf, während die britische Gruppe Britain First Teile der Aktion finanziert haben soll. Im November und Dezember 2024 gewann die Bewegung in deutschen rechtsextremen Kreisen an Dynamik – beteiligt waren AfD-Politiker, rechtsextreme Influencer wie Naomi Seibt und Olaf Marschall sowie Gruppen wie Lukreta und die Junge Alternative.
Am 3. November forderte Alice Weidel bei einer Veranstaltung in Donaueschingen (Baden-Württemberg) die Zuschauer auf: „Hängt die Deutschlandflaggen auf! Viele davon!“ Die Rede wurde mit lautem Applaus bedacht und später unter #HoistTheFlag online geteilt. Weidel veröffentlichte zudem einen Artikel der Weltwoche über Flaggenaktionen in Nordrhein-Westfalen, der von anderen AfD-Vertretern weiterverbreitet wurde. Der Verfassungsschutz prüfte zwei Vorfälle im Zusammenhang mit Flaggenzeigungen: In Nachrodt-Wiblingwerde ermitteln die Behörden wegen Hausfriedensbruchs, nicht wegen der Flagge selbst. In Hilchenbach wurde kein formelles Verfahren eingeleitet, die Behörden nahmen den Vorfall jedoch zur Kenntnis. In beiden Fällen stand nicht die Flagge als solche im Mittelpunkt.
Den Höhepunkt erreichte die Kampagne um die US-Wahl am 5. November, als amerikanische Aktivisten wie Mike Cernovich und Jack Posobiec #HoistTheFlag als pro-Trump-Mobilisierungsruf nutzten. Deutsche rechtsextreme Netzwerke übernahmen den Slogan und verbreiteten ihn auf X (ehemals Twitter) und Telegram.
Die #HoistTheFlag-Bewegung verknüpft deutsche rechtsextreme Gruppen mit einer internationalen Kampagne. Der Verfassungsschutz beobachtet zwar vereinzelt Flaggenaktionen, leitete aber keine Ermittlungen allein wegen der Flaggen ein. Online gewinnt die Initiative weiter an Zugkraft – AfD-Funktionäre und Aktivisten verstärken die Aufrufe.