10 May 2026, 20:17

Der Flaggenstreit der Weimarer Republik spaltete eine ganze Nation

Deutsches Flagge mit einem schwarzen Doppeladler in der Mitte auf horizontalen Streifen von rot, gelb und weiß.

Der Flaggenstreit der Weimarer Republik spaltete eine ganze Nation

Ein erbitterter Streit um die deutsche Nationalflagge spitzte sich in den mittleren 1920er-Jahren zu und spaltete das Land in verfeindete Lager. Die Auseinandersetzung stand zwischen der politischen Rechten, die für die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot eintrat, und linksgerichteten sowie bürgerlichen Gruppen, die das republikanische Schwarz-Rot-Gold verteidigten. Am 5. Mai 1926 griff Reichspräsident Paul von Hindenburg mit einem neuen Erlass ein, in der Hoffnung, die Spannungen zu entschärfen.

Bis 1925 hatte sich die Fronten verhärtet: Zwei gegnerische Blöcke formierten sich. Der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ vereinte Sozialdemokraten, Liberale und sogar Kommunisten, die erst nach der Revolution von 1918/19 die republikanische Trikolore angenommen hatten. Ihnen gegenüber stand der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“, unterstützt von Konservativen, Nationalisten und Veteranenverbänden, die der Vorkriegsmonarchie nachtrauerten.

Die Bemühungen um eine Lösung lagen in den Händen von Edwin Redslob, dem Reichskunstwart (Reichskunstbeauftragten), dessen Aufgabe auch die Klärung nationaler Symbolfragen umfasste. Trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge gelang es ihm nicht, eine einheitliche Reichsflagge zu schaffen, die beide Seiten zufriedenstellte. Hindenburg, auf der Suche nach einem Ausweg, veröffentlichte einen offenen Brief, in dem er zu einem verfassungspolitischen Kompromiss aufrief – vergeblich.

Am 5. Mai 1926 erließ der Reichspräsident die Zweite Flaggenverordnung. Sie schrieb vor, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die schwarz-rot-goldene Nationalflagge als auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge hissen sollten. Der Schritt zielte darauf ab, die Rechte zu besänftigen, während gleichzeitig die Unterstützung der Linken und der gemäßigteren Kräfte für die republikanischen Farben gesichert werden sollte. Doch er erzürnte beide Lager. Reichskanzler Hans Luther sah sich Kritik von konservativer Seite ausgesetzt, weil die Regelung nicht weit genug ging, und von republikanischer Seite, weil sie zu viele Zugeständnisse machte.

Die Verordnung brachte kaum Befriedung. Zwar blieb Schwarz-Rot-Gold offiziell die Nationalflagge, doch die hybride Gestaltung der Handelsflagge hielt die alten kaiserlichen Farben im Umlauf. Hindenburgs Teilerfolg ermutigte die Rechte nur, die vollständige Wiederherstellung ihres bevorzugten Symbols zu fordern.

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Der Flaggenstreit blieb ungelöst – ein anhaltendes Symbol für die politischen Brüche Deutschlands. Hindenburgs Dekret hatte die Spannungen zwar vorübergehend gemildert, doch den Kernkonflikt unberührt gelassen. Beide Flaggen wehten weiter, ein Spiegelbild einer Nation, die noch immer um ihre Identität rang.

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