Das Tölzer Zauberbuch und der spektakuläre Fluchtversuch eines angeblichen Hexers aus dem 18. Jahrhundert
Paula GumprichDas Tölzer Zauberbuch und der spektakuläre Fluchtversuch eines angeblichen Hexers aus dem 18. Jahrhundert
Ein jahrhundertealtes Rätsel ist dank neuer Forschungen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs München wieder in den Fokus gerückt. Dr. Christoph Bachmann, der Leiter der Einrichtung, hat kürzlich ein seltsames Manuskript untersucht, das als Tölzer Zauberbuch bekannt ist. Seine Erkenntnisse, veröffentlicht in den Nachrichten aus den Staatsarchiven, werfen Licht auf einen kühnen Fluchtversuch aus dem 18. Jahrhundert, der mit Hexereivorwürfen in Verbindung steht.
Im Mittelpunkt des Dokuments steht Georg Penzl, ein Mann aus Lenggries, der 1704 wegen angeblicher Zauberei und Hexerei inhaftiert wurde. Wie Bachmanns Analyse zeigt, plante Penzl, sich mit Hilfe von Zaubersprüchen aus dem sogenannten Tölzer Zauberbuch zu befreien. Das Manuskript selbst bleibt geheimnisumwittert, doch Archivunterlagen belegen Penzls verzweifelten Fluchtversuch – und die schweren Anklagepunkte gegen ihn.
Bachmann, ein Historiker mit Schwerpunkt auf der NS-Zeit, Rechtsgeschichte und Agrargeschichte, hat sich auch mit ungewöhnlichen Kriminalfällen wie diesem beschäftigt. Unter seiner Leitung bewahrt das Bayerische Hauptstaatsarchiv München über 55 Kilometer historische Akten auf. Durch Digitalisierungsprojekte sind seltene Dokumente, darunter auch solche zu Penzls Geschichte, für Forscher leichter zugänglich geworden. Die Entdeckung fügt Bayerns Geschichte der Hexenprozesse eine neue Facette hinzu. Zwar ist das Tölzer Zauberbuch selbst nicht aufgefunden worden, doch der Fall zeigt, wie die Angst vor Magie einst die Justiz prägte – und wie Archive vergessene Geschichten wieder ans Licht bringen.
Bachmanns Arbeit verbindet eine 300 Jahre alte Fluchtplanung mit den größeren Themen Verfolgung und Aberglaube. Die Forschung unterstreicht zudem den Wert der Digitalisierung historischer Unterlagen. Da immer mehr Dokumente online verfügbar werden, könnten ähnliche Mysterien noch ans Tageslicht kommen.