10 May 2026, 02:16

Bundesweite Razzia enthüllt flächendeckende Ausbeutung in Paketbranche

Plakat mit dem Titel "Operation Double Trouble: US-Geldkurier" mit einer US-Karte, die in zwei Abschnitte unterteilt ist, von denen einer die Kurierrouten und der andere die Standorte der Carrier zeigt, mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Rand.

Bundesweite Razzia enthüllt flächendeckende Ausbeutung in Paketbranche

Bundesweite Razzia in Deutschlands Paketzustellbranche deckt flächendeckende Arbeitsrechtsverstöße auf

Bei einer bundesweiten Kontrollaktion im Paketdienstsektor sind massenhafte Verstöße gegen Arbeitsrechte aufgedeckt worden. Über 2.900 Zollbeamte durchsuchten Zustellfirmen und förderten unbezahlte Löhne, illegale Beschäftigung und ausbeuterische Praktiken zutage. Die Ergebnisse haben die Forderungen nach schärferen Regulierungen in einer unter dem Druck rasanten Wachstums stehenden Branche neu entfacht.

Die Überprüfungen legten systematische Verstöße in der gesamten Branche offen. Viele Fahrer – oft über Subunternehmer beschäftigt – leisteten unbezahlte Überstunden oder erhielten für Ladezeiten Abzüge vom Lohn. Einige verdienten weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Ermittler stießen zudem auf Fälle, in denen Fahrer Fahrzeuge zu überhöhten Preisen von ihren Arbeitgebern mieteten, was ihre ohnehin knappen Einkommen weiter schmälert.

In Köln wurde ein 39-jähriger Türke ohne gültige Arbeitserlaubnis bei einem Subunternehmer angetroffen. Andere Fahrer, darunter ein ukrainischer Arbeiter, konnten nicht einmal den Namen ihres Arbeitgebers nennen. Die Gewerkschaft Verdi reagierte mit der Forderung nach einem vollständigen Verbot von Subunternehmern, da diese Ausbeutung und Steuerhinterziehung begünstigten.

Der Paketzustellmarkt ist durch den Boom des Online-Handels stark gewachsen, was zu Arbeitskräftemangel geführt hat. Während große Unternehmen wie DHL seltener auf Subunternehmer zurückgreifen, setzen Konkurrenten wie DPD, Hermes, GLS und Amazon stark auf sie. Der Branchenverband BPEX verteidigte die Praxis und behauptete, Subunternehmer seien für ein nachhaltiges Wachstum unverzichtbar.

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Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte an, gegen illegale Beschäftigung und Ausbeutung in der Branche vorzugehen. Die Zollbehörden dokumentieren ähnliche Missstände bereits seit Jahren – nicht angemeldete Arbeit und ausstehende Sozialabgaben bleiben hartnäckige Probleme.

Die Kontrollen haben tief verwurzelte strukturelle Defizite im deutschen Paketzustellnetz offenbart. Die Behörden stehen nun unter Druck, die Aufsicht zu verschärfen, während Gewerkschaften grundlegende Reformen fordern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ausbeutung in einer Branche, die mit der Nachfrage kaum Schritt hält, weiterhin fest verankert ist.

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