BGH-Urteil verschärft Pflichten bei Wohngebäudeversicherungen nach Wasserschaden-Streit
Enrico HerrmannBGH-Urteil verschärft Pflichten bei Wohngebäudeversicherungen nach Wasserschaden-Streit
Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) unterstreicht die Bedeutung von Instandhaltungspflichten in der Wohngebäudeversicherung. Den Anstoß gab ein kostspieliger Rechtsstreit einer Familie aus Ludwigsburg, deren Versicherung die Übernahme der Kosten für Wasserschäden verweigerte. Gleichzeitig verändern steigende Prämien und strengere Vertragsbedingungen den Markt für Hausrat- und Gebäudeversicherungen.
Die Familie Gerstenberg bemerkte erst Monate später, dass in ihrem Einfamilienhaus in Ludwigsburg durch eine undichte Bodenfuge im Badezimmer Wasser ausgetreten war. Als sie den Schaden bei ihrer Versicherung meldete, lehnte diese die Leistung ab – mit der Begründung, die Versicherungsnehmer hätten ihre Wartungspflichten vernachlässigt. Der Fall landete schließlich vor dem BGH, der die Klausel bestätigte, wonach Versicherte Sicherheitsvorgaben einhalten müssen.
In Deutschland deckt die Wohngebäudeversicherung in der Regel Brand-, Leitungswasser-, Sturm-, Hagel- und erweiterte Naturgefahren ab. Seit 2021 sind Elementarschadenversicherungen in Neupolicen automatisch enthalten, sofern Kunden nicht ausdrücklich widersprechen. Auch das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) spielt eine Rolle: Es ordnet Immobilien einer von vier Risikoklassen zu.
Die Prämien sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen – 2023 um 14,7 Prozent, 2024 um weitere 7,5 Prozent. Ein Test der DUP UNTERNEHMER und der DISQ bewertete 61 Versicherer, davon 30 anhand von 24 Kriterien für einen Standardfall: ein 125 Quadratmeter großes Einfamilienhaus (Baujahr 2000) mit Vollschutz. Einige Anbieter wie die Grundeigentümer-Versicherung (GEV) haben ihre Bedingungen gelockert und verzichten etwa auf die Pflicht zu regelmäßigen Dichtheitsprüfungen an Fugen.
Das BGH-Urteil macht deutlich: Versicherungsnehmer müssen Wartungsvorschriften einhalten, um im Schadensfall abgesichert zu sein. Angesichts steigender Kosten und verschärfter Auflagen seitens der Versicherer stehen Hauseigentümer vor höheren Belastungen und strengeren Pflichten. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie wichtig eine transparente Kommunikation zwischen Versicherern und Kunden über die Vertragsbedingungen ist.






