Asylanträge sinken – doch Grenzkontrollen bleiben umstrittene Symbolpolitik
H.-Dieter ReuterAsylanträge sinken – doch Grenzkontrollen bleiben umstrittene Symbolpolitik
Asylanträge in Deutschland gehen im Vergleich zum Vorjahr stark zurück – doch der Rückgang fällt zusammen mit einer verschärften Praxis der Zurückweisungen an den Binnengrenzen, eine Maßnahme, die einst nur von der rechtspopulistischen AfD gefordert wurde. Experten jedoch zweifeln daran, dass diese Schritte die Migrationsbewegungen nachhaltig beeinflussen.
Seit Mai 2025 weist Deutschland Asylsuchende an den Grenzen zu Österreich, Polen und der Schweiz ab. Damit vollzieht die Bundesregierung eine Kehrtwende gegenüber ihrer früheren Haltung – die AfD hatte solche Zurückweisungen bereits 2015 gefordert, damals noch als radikale Forderung am rechten Rand.
Der Migrationsforscher Gerald Knaus kritisiert den Kurs scharf: Die Praxis sei nicht nur nach EU-Recht fragwürdig, sondern auch wirkungslos. Trotz der Bemühungen der Regierung habe die Maßnahme kaum spürbaren Einfluss auf die Gesamtmigration, so Knaus.
Stattdessen führt er den aktuellen Rückgang der Asylanträge auf Entwicklungen in Syrien selbst zurück. Deutschland und Österreich, die 2024 noch 80 Prozent aller syrischen Schutzberechtigten in der EU aufgenommen hatten, verzeichnen nun weniger Ankünfte. Der Rückgang, argumentiert Knaus, spiegle vor allem die veränderten Bedingungen in der Region wider – und nicht die verschärften Grenzkontrollen Deutschlands.
Die Zurückweisungspolitik bleibt umstritten. Kritiker bezweifeln ihre Rechtmäßigkeit und langfristige Wirkung. Zwar sinken die Asylzahlen, doch der Rückgang scheint stärker mit externen Faktoren zusammenzuhängen als mit den strengen Grenzmaßnahmen Deutschlands. Die Debatte über die Steuerung von Migration wird angesichts der dynamischen Lage weitergehen.






