08 February 2026, 14:50

35 Jahre "Geisterzug": Köln feiert mit Protest und Karnevalszauber gegen Wohnungsnot

Eine Gruppe von Menschen, die auf einer Straße neben einem Lastwagen mit bunten Luftballons gehen, mit Schildern an Pfählen an der Straße und Bäumen und Gebäuden im Hintergrund, was auf eine Pride-Parade in Paris hindeutet.

35 Jahre "Geisterzug": Köln feiert mit Protest und Karnevalszauber gegen Wohnungsnot

Kölner "Geisterzug" feiert 35. Jubiläum mit Protest und Karnevalsflair

Mit einer lebendigen Mischung aus Protest und Feier hat der Kölner Geisterzug sein 35-jähriges Bestehen begangen. Tausende versammelten sich am Samstag vor der Karnevalsoche zu dem alternativen politischen Umzug, der Straßenkarnevalstraditionen mit aktivistischem Engagement verbindet. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Wohnungsnot in der Stadt Köln – thematisiert mit kreativen Kostümen und einer deutlichen Botschaft.

Der Umzug fand erstmals 1991 statt, doch seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1860 zurück, und seither hat er sich zu einem festen Bestandteil des Kölner Karnevals entwickelt. Anders als klassische Zugveranstaltungen folgt er keiner festen Route und ermöglicht so spontane Beteiligung – von in Schwarz gekleideten Gestalten bis hin zu leuchtenden Geisterkostümen. Ökologisch bewusst verzichtet der Geisterzug auf Kamelle und setzt stattdessen auf organisches Wachstum durch wachsende Teilnehmerzahlen.

Das diesjährige Motto "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Kölner Dom schlofe" (Höchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Kölner Dom schlafen) gab den Ton vor. Die Teilnehmenden trugen Kostüme, die die Krise symbolisierten: von Häusern als Kopfbedeckung bis zu Schildern mit Aufschriften wie "Mieterhöhung" oder "Kauf doch – Loll" (Kauf doch – klar doch). Mythische Wesen, Hexen, Totenschädel und Seeungeheuer füllten die Straßen und verstärkten die gespenstische Karnevalsatmosphäre.

Erich Hermans, verkleidet als Ähzebär, führte den Zug mit einem selbstgebastelten Rummelpot-Instrument an. Als Mitbegründer des Vereins Ähzebär un Ko e.V. (1993) prägt er seit Jahrzehnten die politische und künstlerische Ausrichtung des Umzugs. Den Abschluss bildete eine Feier im Odonien, wo die Band Kapelle 3 für die Feiernden aufspielte.

Der 35. Geisterzug unterstrich einmal mehr seine Doppelfunktion als Karnevalshöhepunkt und Plattform für gesellschaftliches Engagement. Durch die Verbindung von Protest und Spektakel zieht die Veranstaltung Jahr für Jahr mehr Menschen an und setzt sich gleichzeitig mit lokalen Missständen in der Stadt Köln auseinander. Die Feier im Odonien bildete den Abschluss eines weiteren Jahres kreativen Widerstands und Gemeinschaftsgeists.